Der Serienkiller in unserer Familie

Wir haben einen sehr talentierten Serienmörder in der Familie. Er ist circa dreißig Zentimeter groß, sieht aus wie ein zu klein geratener Tiger und hört auf den Namen Tobias. Besagter eiskalter Killer hat keinen eindeutigen Modus Operandi, was ihn unberechenbar macht. Er sucht sich seine Opfer sowohl am Boden als auch in der Luft und jagt so ziemlich alles was ihm in den Weg kommt. (Außer unsere Enten, was sehr freundlich von ihm ist.) Sehr zum Leidwesen von meinem Freund und mir. Ich weiß nicht wie oft wir schon panisch durch die Wohnung gerannt sind, um die verrückte Katze wieder hinaus zu scheuchen, die mit ihrem „Spielzeug“ nicht mehr draußen spielen wollte.

Das größte Problem mit Tobis liebstem Hobby ist nämlich, dass er ein kleiner Sadist ist. Es reicht ihm nicht die kleinen Tiere einfach zu fangen und als Zwischenschnack zu mampfen. Der gute Mann liebt es mit seinen Opfern zu spielen und geht dabei ziemlich perfide vor. Auf die Details verzichte ich an dieser Stelle. Ich sage aber so viel: Auch, wenn man glaubt man hätte nach einem erneuten lustigen Massaker alle Federn weggesaugt, da täuscht man sich gewaltig.

Wäre der Tobi ein Mensch – und ich bin davon überzeugt, dass er das in seinem letzten Leben war – dann wäre er mit Sicherheit ein psychopathischer Serienkiller mit der Arroganz und Gewissenlosigkeit eines Wallstreet-Bankers. (No offense.)

Einmal hatte er sogar eine Taube im Maul, die größer war als sein Kopf. Eine lebendige Taube. Die es wohl nicht so toll fand durchs Wohnzimmer getragen zu werden. Das waren vielleicht witzige fünf Minuten meines Lebens! Oder das eine Mal, als mein Freund und ich im Garten waren und einen wunderschönen Vogel auf dem Baum neben uns gesehen haben. „Schau mal, der schöne Vogel.“, hat mein Freund gesagt. ZACK! Im nächsten Moment hatte ihn schon Tobi im Maul. Er ist einfach so vom Boden nach oben gesprungen als wäre das die leichteste Übung überhaupt. So ein Angeber.

Mäuse quält Tobias auch ganz gerne. Da macht er auch keinen Unterschied, ob sein Publikum aus Erwachsenen oder zwei kleinen Kindern besteht. Ich glaube sogar, dass er die Aufmerksamkeit liebt! Wenn ich aus diesem Vorfall eines gelernt habe, dann, dass kleine Menschen genauso sensationsgeil sind wie große Menschen. Und, dass es sehr schwierig ist eine Maus mit verletztem Bein vor einem eiskalten Killer zu retten, wenn man gleichzeitig das Sichtfeld abschirmen muss.

Naja. Ich hab ihn trotzdem lieb.

© Juliette