Lebendig.

Kennst du diese Momente, die dich einfach umhauen? Die dir eine Gänsehaut bescheren und dir die Tränen in die Augen treiben?

Ich kenne diese Momente. Auch, wenn ich leider zugeben muss, dass sie bei mir sehr selten auftreten. Letztens habe ich mit einer Freundin über dieses Thema gesprochen. Als wir noch im Schulalter waren, war alles so intensiv. Jedes Erlebnis war besonders. Jedes Mal fühlte sich etwas neu und aufregend an, auch, wenn man es vielleicht schon zehn Mal gemacht hatte.

Heute zieht das Leben an einem die meiste Zeit nur noch vorbei. Man arbeitet, manche sind schon verheiratet oder haben Kinder, und irgendwie steckt man im Alltag fest. Das mit 25 Jahren zu sagen hat irgendwie eine sehr bittere Note. Hätte mir in der Schule jemand gesagt, dass ich voll in die Quarterlife Crisis einschlagen werde, ich hätte ihn ausgelacht. Aber leider ist es ja tatsächlich so.

Ich erwische mich so oft dabei, wie ich mich frage, ob es das jetzt schon gewesen ist? Ob der Rest meines Lebens daraus bestehen wird im Hamsterrad zu rennen, um Geld zu verdienen? Das dann für Miete, Auto und ein wenig Schnickschnack draufgeht. Und vielleicht, wenn ich gut genug spare, wird dann in zehn Jahren der Kredit für das Haus, das ich haben möchte, nicht mehr ganz so hoch sein.

Da frage ich mich dann immer, ob es nicht vielleicht besser wäre einfach aus dem Hamsterrad auszubrechen und mich von Gemüseanbau zu ernähren. Langfristig aber auch blöd, weil Geld muss man ja trotzdem verdienen.

Manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt noch wirklich am Leben bin. Ja klar, ich atme, ich lache, ich fühle Schmerz. Aber wann fühle ich mich wirklich lebendig?

Die Momente, die mich so überwältigen, dass es mir den Atem verschlägt, sind mein Rettungsanker. Es sind große Momente. Letztes Jahr war ich zum Beispiel auf meinem ersten Konzert und ich war so überwältigt, dass ich gedacht habe mein Herz platzt jetzt.

Es sind aber auch kleine Momente. Vor ein paar Wochen war ich mit zwei Freundinnen unterwegs. Wir sind mit dem Auto gefahren, die beiden vorne im Auto und ich auf dem Rücksitz. Es war eine ausgelassene Fahrt, wir haben zur Musik mitgesungen, neben uns ist langsam die Sonne untergegangen. Und plötzlich konnte ich nicht mehr anders als einfach nur dazusitzen und den Moment aufzusaugen, weil er so unglaublich echt war.

Es sind oft einfache Dinge, die einem nah gehen. Die einem die Tränen in die Augen drücken, das Herz explodieren lassen, eine Gänsehaut erzeugen. Und die einen daran erinnern, dass man sehr wohl noch lebt.

© Juliette