Scheinbar paradox

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Ich lasse los. Bin trotzdem präsent, mit meinem Herzen ganz bei der Sache in dem, was ich gerade tue.

Öfters hat mich der Satz beschäftigt: Wenn du es eilig hast, gehe langsam. Oder der Hinweis: Wenn du viel bewegen möchtest, tue nichts.

Nichts - bezieht sich auf hektische äußere Aktivitäten. Ich gehe in meine Schöpferkraft, gestalte Dinge, Situationen und Vorgänge in meinem Geist und mit der Kraft des Herzens.

Wenn ich vertrauensvoll dranbleibe, ist damit alles getan. Das Leben antwortet in großartiger Weise. Ich brauche nur mehr die Ernte einzubringen. Kann die Ereignisse, die sich im Außen zeigen dankbar und freudvoll genießen.

Dazu ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit. Ich habe einem guten Freund geschrieben, ich würde gerne seine Walking-Runde kennenlernen und mit ihm gemeinsam erleben.

Nach einigen Wochen der Stille erhielt ich eine Einladung. Sonntag Vormittag drehten wir eine gemeinsame Runde. Das Wetter war mild, ich habe es außerordentlich genossen. Soweit so gut.

Für den Nachmittag hatte mein Freund "Restlessen" angekündigt. Es stellte sich als das großartigste Menü heraus, das ich je gegessen habe. Acht Gänge mit Weinbegleitung. Des Rätsels Lösung: Mein Freund hatte am Vortag für eine Freundesrunde ein Galamenü ausgerichtet und selbst gekocht. Es waren genau zwei Portionen pro Gang übriggeblieben, die er nun mit mir im Laufe eines Nachmittags zelebrierte. Sehr entspannt, wie er betonte. Denn im Vergleich zum Vortag musste er die Speisen nur aufwärmen und ich war der einzige Gast.

Auf diese Weise hat mich das Leben überraschend reich beschenkt. Nach einer sehr heftigen, dreijährigen Phase in meinem Leben beginnt nun ein völlig neuer Abschnitt. Ich habe in dieser Zeit meine Frau durch einen Schlaganfall verloren und war acht Monate lang mit der erfolgreichen Ausheilung von Leukämie beschäftigt.

Das Paradoxe ist, dass ich in dieser schwierigen Zeit sehr viel dazugelernt habe, innere Heilung erfahren und so viel Schönes erlebt habe, dass ich die Zeit nicht missen möchte.

Hast du in deinem Leben schon Paradoxes erlebt, das sich erst in der Rückschau als Segen herausstellte?

© Karl Ebinger