Zumutbar

Dezember 2018, ich bin im Spital gelandet. Kurz nach Weihnachten die Diagnose: Leukämie. Ich stehe drei Tage unter Schock.

Ich habe in meinem bisherigen Leben kaum einen Arzt gebraucht - außer dem Zahnarzt, zu dem ich regelmäßig gehe. Nun bin ich auf einer Krebsstation mit Schwerkranken.

Am Hals eine große Lymphknotenschwellung, die sich in eine große offene Wunde verwandelt hat. Es fühlt sich an wie ein Bombentrichter. Der Körper hat keine Abwehrkräfte sie auszuheilen.

Mein Blutbefund ist so schlecht, dass die Ärzte alarmiert sind. Ich bin knapp davor, über den Jordan zu schreiten.

Nach drei Tagen nehme ich meinen ganzen Mut zusammen, stehe wieder auf. Ich bin sonst ein eher ruhiger Mensch, aber in solchen Situationen entwickle ich eine ungeahnte Kampfkraft und Beharrlichkeit.

Ich übernehme selbst Verantwortung für meine Situation. Wähle eine Kombination aus Schulmedizin und alternativen Möglichkeiten. Suche einen Weg für mich vorbei an Ängsten, Unwägbarkeiten und bohrenden Fragen. Mir kommt dabei zugute, dass ich ein spiritueller Mensch bin, der sich in der Suche nach Lösungen nicht nur auf die materielle Ebene des Daseins beschränkt.

Nach zwei Monaten intensiver Recherche im Internet und unter Einsatz aller alternativen Möglichkeiten - darüber könnte ich ein eigenes Buch schreiben - weiß ich mehr über meine Krankheit und den Zustand meines Körpers als die behandelnde Ärztin.

Im April 2019 sind die kranken Zellen im Knochenmark verschwunden. Das Blutbild ist noch verbesserungswürdig aber ich bin über den Berg. Im Oktober 2019 bin ich wieder völlig gesund.

Ein tiefe Dankbarkeit begleitet mich. Ich habe ganz neue Möglichkeiten entdeckt, innerlich stimmig, achtsam und bewusst zu leben. Freue mich auf die nächsten Jahre, die ich sehr kreativ und reiselustig gestalten werde.

© Karl Ebinger