Ankommen

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Ankommen | story.one

Ich komme zurück, wenn du auf mich wartest, ich laufe in deine ausgebreiteten Arme wie ein Kind, und du wirbelst mich im Kreis mit deinem warmen Lächeln. Ich kannte es nicht mehr, dieses Lächeln, - es war erfroren, erstarrt im Frost der Einsamkeit, in der wir ertrunken waren. Deine Augen, sie strahlen so gütig und ich kuschle mich hinein, dankbar in diesen Blick. –Und ich bleibe bei dir, weil du auf mich wartest.

Ich habe Fehler gemacht, so viele Fehler, wie du. Ich ordne sie, wie Memory-Karten. Immer zwei: mein Fehler-dein Fehler, und lege die abgehakten Fehlerpärchen an den Rand unseres Lebens. Verzeihen – ich dir, du mir. Bleiben werde ich da, wo meine Fehler verziehen werden, so wie ich verzeihe, eines Tages.

Gestorbene Träume. Träume, die wie leere, müde Schatten an den Wänden hängen. –Komm- sagst du, und nimmst mich an der Hand. Komm, lass uns träumen. Und plötzlich sind sie wieder da, meine Träume. Zauberwesen, die sich in deinen Augen spiegeln. Und ich beschließe zu bleiben, wenn ich wieder träumen darf.

Sanft streicheln deine Hände über meinen Körper. Doch es ist so viel mehr. Ich fühle dein Streicheln bis tief in meine Seele. Berührungen, behutsam-wild, gebend und nehmend, und ich bin nur in deinen Händen, löse mich auf in diesem Gefühl mit dir. Ja, ich möchte bleiben, wo ich gestreichelt werde.

Reden, Sprechen, Schreien, Weinen, … enden im Klirren des Zurückgeschleudertwerdens an der Felswand des Nichtverstehens. Hinabgeworfen achtlos, in die kalte Schlucht des Desinteresses. So lange, bis Reden erstickt, bis Worte sich verlieren im Nebel des Nichtwahrnehmens, bis die Stimme sich selbst verschluckt, in Hass und Resignation. Ja, ich will bleiben, ich will reden und gehört werden, ich will dich hören, bis ich dich verstehe, vielleicht ohne Worte…

Wo ist mein Platz? Er war lange nicht in deinem Herzen, so lange, dass ich gar nicht mehr wusste, dass es das noch gibt, - dein Herz. Mein Herz, es flog davon, auf der Suche nach einem Platz. Aber du hast deine Seele für mich geöffnet, weit die Tore des Schmerzes und der Angst aufgemacht, so dass ich mit einem Mal fühlen konnte, - wirklich fühlen konnte-, wo er ist, mein Platz auf dieser Welt. Und ich wusste mit einem Mal, wo ich bleiben will.

Die Masken waren festgewachsen an unseren Gesichtern, so lange hatten wir sie nicht abgelegt. Fratzenhaft starr glotzten wir uns an und dachten, wir sähen einander. Kein Lächeln und keine Träne, kein Zorn und keine Freude, - nichts drang durch unsere Panzer, bis der Sturm des Schicksals diese Masken jäh von unseren Gesichtern riss. Ich laufe in deine offenen Arme, mitten hinein in dein Lächeln, und sehe zum ersten Mal wieder dein Gesicht. Ja, ich will bleiben, maskenlos und frei.

Stille? – Ich möchte in deinen Armen liegen und einfach nur still sein. Deinem Atem lauschen, deine Tränen fühlen, deine Hände spüren. Im Gleichklang unsere Herzen fühlen, in sanfter Stille, des Verstehens. Ja, so möchte ich bleiben.

Vielleicht sind wir jetzt angekommen...

© Katalin Darthe 24.11.2019