Die Fee mit den drei Wünschen

  • 158
Die Fee mit den drei Wünschen | story.one

Es war, ist und wird immer mein größter Wunsch bleiben. Je mehr Jahre an mir vorbei ziehen, umso mehr weiß ich, dass er sich nicht und nie erfüllen wird, dass diese Sehnsucht eine unvollendete bleiben wird, dennoch müsste ich lügen, würde ich sagen, dass ich sie bereits ganz begraben habe, diese Hoffnung, mein Wunsch könnte sich eines Tages erfüllen.

Als Kind im Vorschulalter tauchte dieser Wunsch bereits in mir auf, doch so oft ich meine Eltern ach fragte, erhielt ich fadenscheinige Ausreden und Ausflüchte zur Antwort.

Die Sehnsucht in meinem Herzen wurde größer, je mehr ich sah, dass andere mit einer Selbstverständlichkeit das besaßen, was mir verwehrt war.

Im Alter von etwa zwölf Jahren flüchtete ich mich in meine Phantasie. Sie half mir ein bisschen, mir das zu ersetzen, was mir so sehr fehlte. Ich stellte mir die Erfüllung meine Sehnsucht so lebhaft vor, dass ich Realität und Fiktion nicht mehr von einander trennen konnte, was mir fast einen Besuch beim Kinderpsychologen beschert hätte, da meine Mutter Ängste bezüglich meiner „Wahnvorstellungen“, wie sie es nannte, entwickelte.

Abgelenkt durch pubertäre Zustände und Umstände kehrte ich schließlich auf den Boden der Realität zurück, was der Intensität meines Wunsches jedoch keinen Abbruch tat.

Als ich älter wurde, erkannte ich, dass sich mein Wunsch auf übliche Weise nicht erfüllen ließ. Also beschloss ich, dem Schicksal nachzuhelfen.

Es war eine Zeit weit vor dem Internet, weit vor „Social Media“ und weit vor jeglicher digitaler Kommunikation.

Ich gab eine Annonce im „Bazar“ auf, einer Zeitung, die dafür bekannt war, das man alles Mögliche und Unmögliche darin inserieren konnte. Ich formulierte in diesen wenigen Zeilen sehr genau, was ich mir wünschte und schickte sie ab.

Es kamen Angebote der verschiedensten Arten und Kategorien. –Aber mein Wunsch, mein größter Wunsch blieb unerfüllt. Dieser Wunsch ließ sich nicht überlisten.

Als ich Kinder bekam, beschloss ich, ihnen diesen Wunsch von Klein auf zu erfüllen und bat sie, achtsam damit umzugehen, das Geschenk zu schätzen, das keine Selbstverständlichkeit war,- wie ich ihnen aus meinem Leben erzählte. –Und diesen Wunsch erfüllten sie mir.

Und stünde heute die berühmte „Fee mit den drei Wünschen“ vor mir, ich würde ihr antworten:“ Schenk mir einen Bruder, eine Schwester, aber ohne Fremdheit. Schenk uns die Verbundenheit der gemeinsamen Jahre, der gleichen Wurzeln und der gleichen Geschichte.“

Niemand würde so in meiner Seele lesen können, wie dieser Bruder, diese Schwester. –und manchmal wünsche ich mir, mein Vater wäre fremd gegangen und irgendwo auf dieser Welt gäbe es diese Geschwister für mich.

© Katalin Darthe 07.03.2020