Mein Mondmärchen

  • 49
Mein Mondmärchen | story.one

Ich halte ihn in Händen, diesen großen, silbernen Mond und stelle ihm meine Fragen. Mit großen Augen sieht er mich an. Du sollst nicht schauen, sondern antworten, sage ich zu ihm, sonst werfe ich dich in den Himmel zurück und dort kannst du dann hängen bleiben und aufgehen und untergehen. Also dann frag endlich, sagt er, und sieht mich dabei immer noch so eigenartig an. Wo sind deine Silberschnüre? frage ich ihn, die, die immer so schön im schwarzen Wasser glitzern, wenn du dein Licht wie Staubzucker darüber streust. Die habe ich über die alten Wolkenbänke gelegt, zum Trocknen darüber gebreitet, gleich neben die Schleiernebel. Ich stelle mir die Wolkenbänke vor, wie sie hellblau lackiert am Rande des Sternenwaldes stehen und sehe die vielen Silberschnüre vor mir und die gläsernen Schleiernebel. Der Wind fährt durch sie hindurch und bringt sie zum Klirren, wie ein altes Holzmobile vom Flohmarkt. Wir wollen einen Verkaufsstand machen, schlage ich ihm vor. Was wollen wir verkaufen? fragt er. Ich lege den Mond ins Moos und mache die Tür auf zu mir selbst. Na, da gibt es so einiges, murmle ich und hole ein Terrarium hervor, in dem meine Ängste wie tausende Ameisen, durcheinander krabbeln. Wer will denn die kaufen? quietscht der Mond. Das sind typische Ladenhüter. Kein Mensch kauft dir diese Krabbelmonster ab. Ich will sie ja auch nicht verkaufen,-antworte ich trotzig,- sondern tauschen. Ja, gegen ein bisschen Hirn, wär nicht schlecht, unkt der Mond von unten zu mir herauf. Es reicht,- denke ich unwillig-,und rolle ihn etwas weiter von mir weg, und denke mir, dass es gut ist, dass er sich nicht wehren kann. Na und, was verkaufst du noch? fragt er, nun von etwas weiter weg. –Dich sollte ich verkaufen, murmle ich unhörbar und hole ein Päckchen Untreuemarken hervor. Sie sind alt und zerfleddert und greifen sich etwas speckig an. Wer will denn die? fragt der Mond. Die, mein Freund, werden sie mir aus der Hand reißen! Ich brauche sie nicht mehr,- die gibt es zum Sonderpreis. Oder zum Unmengenrabatt, ätzt der Mond. Ich reagiere nicht und hole ein Gefäß mit Unwahrheitspillen hervor. Sie glucksen in ihrem Glas, wie bunte Glaskugeln, die zerplatzen, sobald man zu fest hinsieht. Ich hätte noch eine Albtraumlandkarte für dich, meint der Mond,- da verirren sich diese Käufer sowieso, wenn sie dort nach dem richtigen Umweg suchen. Und falls du ein Gewinnspiel, oder Verlustspiel machen möchtest, gebe ich dir noch einige Sorglose dazu. –Und dann trollte er sich, mein Mond. Verschwand einfach in den Wolken. Nur die silbrige Mulde im Moos erinnerte noch an ihn.

Ich aber hatte meinen Stand aufgestellt und wartete auf Käufer. Bettler kamen des Weges, und Scharlatane und Gaukler,- und mit einem Mal war alles fort. Milchige Dämmerung hängte die letzten Erinnerungsfäden auf die Wolkenbänke, die langsam im Grau des Morgens verschwanden… -Ich liebe Mondtraummärchen!

© Katalin Darthe 17.10.2019