Meine bunte Woche

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Meine bunte Woche | story.one

Der Geschmack von Cashew-Mandeln klebt zwischen meinen Zähnen. Ich bin vor dem Fernseher zusammengerollt, wie ein Mops im Glas und kaue an den Mandeln herum. Faul, ein fauler Sonntag. Nichts zu tun, beziehungsweise schon viel zu tun, aber nichts freut mich. Und deshalb beschränke ich mich aufs Denken, was zu tun wäre, tue es aber nicht. Zum Beispiel könnte ich die Spinatflecken aus der Küche wegwischen. Kein Mensch weiß, warum ich heute am Sonntag Spinat gekocht habe. Andere kochen Schnitzel. Bei mir war es heute Spinat. Sein grünes Blubbern hat große, grüne Flecken auf dem Herd hinterlassen, die ich immer noch nicht weggewischt habe. Blubb-blubb-spritz-spritz,-Sonntagsspinatgrünblubbern. Und dann habe ich mich mit den Mandeln über die Enttäuschung hinweg getröstet, dass es nur Spinat gegeben hat bei mir, heute am Sonntag.

Du kommst heim, drehst den Schlüssel um und bist einfach da. Es ist Montag und deine Woche beginnt mit Arbeit. Du gehst durchs Haus und ziehst deine Arbeit hinter dir her, wie eine Braut ihren Schleier. Weißer Montagsarbeitsschleier. Klirren höre ich aus der Küche, der Montag klirrt vor sich her, ich werde die Scherben zusammen kehren. Oder soll ich sie zusammen setzen, wie bei einem Puzzle? Ein zerbrochener Teller wird zur Tasse, eine zerbrochene Vase zur Dose. Du räumst Krims-Krams in die Dose und stellst sie vor mich hin. Ich öffne sie und höre Musik, wie aus einer Spieldose. Großmutters Spieldose.

Dienstag höre ich Spieldosenmusik, sie ist rosa, sie ist alt, eine altrosa Spieldose. Ich habe die Melodie oft gehört, meine Großmutter öffnet die Dose und es riecht nach Flieder. Rosaspieldosendienstagsflieder.

Mittwoch kommt meine Mutter manchmal zu Besuch. Mittwoch ist somit Muttertag. Muttertag ist rot. Ein rotes Herz habe ich auf die selbstgemachte Muttertagskarte gemalt. Und sie fragt, was sie am liebsten fragt: Ist alles in Ordnung? Ja, sage ich,selbst wenn nichts in Ordnung ist. Aber am Rotmuttertagsmittwoch ist ganz schnell alles in Ordnung.

Graue Aschenwolken ziehen durchs Haus, Rauchschwaden. In der Küche hat es gebrannt. Die Feuerwehr ist angerückt am Donnerstag und hat gelöscht. Graudonnerstagsrauch haben sie aus meinem Haus geholt. Blausilberne Männer mit Schläuchen sind in mein Haus gelaufen und haben gekämpft gegen Feuer und Rauch. Es schmeckt nach Asche. Ich putze meine Zähne und spucke graues Donnerstagswasser in den Abfluss.

Meine Freundin kommt mich trösten am Freitag. Hat einen lila Pinsel mitgebracht. Wir malen und malen, bis alles lila ist. Freitag ist Lilaausmaltag. Dazu essen wir Heidelbeereis und nichts erinnert mehr an die verbrannte Küche vom Donnerstag.

Samstag spiele ich mit dem Regenbogen und ziehe mich bunt an, -Regenbogensamstagsbunt. Ich mache bunte Trittspuren im Gras. Es hat zu regnen begonnen, und ich sehe bunte Regentropfen. Grüne Tropfen auf meiner Nase erinnern mich an Spinat,- und in diesem Augenblick beschließe ich, am Sonntag Spinat zu kochen.

© Katalin Darthe 16.10.2019