Ordnung

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Ordnung | story.one

Ich brauche sie, meine Ordnung. Oder das, was ich unter Ordnung verstehe. Ich verstehe darunter, dass nichts schief, also unordentlich irgendwo herum liegt, dass z.B. die auf dem Tisch gestapelten Zeitungen in einem rechtwinkelig zur Tischkante aufgetürmtem Stoß liegen und die Kulis direkt davor und die Brille oben drauf. Und der rote Tischläufer, der zwar Flecken hat,- die mich nicht so sehr stören-, muss auch ganz gerade in der Tischmitte liegen und das staubige Weihnachtskerzerl, das jetzt zu Ostern immer noch am Tisch steht, muss genau in der Mitte von dem schmutzigen Tischläufer sein. So ungefähr sieht sie also aus,meine Ordnung. Auch diese randvollen Krims-Krams-Schüsseln, die überall herumstehen, empfinde ich als Ordnung. In die schmeiße ich so mehr oder weniger alles hinein, was ich finde und von dem ich nicht so recht weiß, wohin damit. Nägel, ein Nagelzwicker, eine Wäscheklammer, eine stehen gebliebene Armbanduhr, alte 10-Groschen-Stücke (die ja bestimmt sehr wertvoll sind), Gummiringerl, ein Ohrring,- von dem ich den zweiten verloren habe. –Das ist Ordnung! Nicht auszudenken, wenn das alles irgendwo herum liegen würde. Mein Haus ist so voll mit Ordnung, dass ich beim besten Willen nicht noch mehr Ordnung unterbringen würde. Alles hängt, baumelt, steht, liegt irgendwo ordentlich herum. Ich finde auch alles,- irgendwann. Per Zufall. Das ist dann ein echt schönes Erlebnis. Ich finde irgendwann etwas, von dem ich weiß, dass ich es irgendwann einmal gesucht habe. Zu dem Zeitpunkt, wo ich es finde, brauche ich es meist nicht, und ich räume es dann sehr ordentlich irgendwo hin, mit dem festen aber zwecklosen Vorsatz, mir diesen Ort auch zu merken.

Wo ich zugegebener Maßen wirklich keine Ordnung halten kann, sind Laden. Lade auf- Zeug rein- Lade zu. Diesem Motto halten Laden nicht Stand. Ich muss also zu meiner Schande gestehen, dass es in meinem Haus Laden gibt, die sich einfach nicht mehr öffnen lassen. Das sind dann die so genannten „Erbladen“, was so viel heißt, dass sich dann meine Erben mit diesen Laden auseinandersetzen sollen. Ich lasse sie einfach zu. Wahrscheinlich sind genau in diesen Laden die Dinge, die ich ewig nicht finden kann….

Dabei beginnt es recht harmlos. Ich beginne so eine jungfräuliche Lade sehr ordentlich einzurichten. Manchmal sogar mit Schachterln und Ordnungsrahmen. Nur leider entwickelt dieses System irgendwann eine Eigendynamik: Schachterl türmt sich auf Schachterl und dazwischen all die Dinge, die nicht ins Schachterl passen. Dann spießt sich alles und ich krieg die Sch…-Lade nie wieder auf.

Ich putze übrigens brav zwischen all diesen Dingen herum, - wenn Besuch kommt! Was mich in meiner Ordnung besonders stört, sind Dinge, die nirgends mehr Platz finden. Die wandern dann auf den Dachboden und warten dort auf die Stunde ihrer Bestimmung. – Denn wegwerfen kann ich nur sehr selten und im äußersten Notfall etwas.

Ich bin aber kein "Messie", auch wenn es ein bisschen so wirkt...

© Katalin Darthe 11.10.2019