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Mathematik in Zeiten von Corona

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Mathematik in Zeiten von Corona | story.one

So, jetzt sitze ich da. Und warte und warte. Meine Tochter weigert sich partout mit mir Mathematik zu lernen. Vorausgesetzt man nennt das Ausfüllen eines Arbeitszettels, dessen Inhalte bereits mehrfach geübt wurden, lernen. Ich würde mich ja mit meiner Tochter auf Festigen der Lerninhalte einigen, aber von einer Einigung und einer Einsicht sind wir weit entfernt. Sehr weit entfernt.

Unsere Entfernung beginnt bei mir am Esstisch sitzend und endet im Zimmer meiner Tochter einen Stock ober mir. Die Fronten haben sich verhärtet. Das Kind will nichts wiederholen, was es schon etliche Male geübt hat. Meine anfangs noch wohlwollenden Erklärungen, warum und weshalb es doch auch wichtig sei, Rechnungen zu wiederholen, selbst wenn man die als 8-jährige schon aus dem FF kann, verhallen.

Rechts neben mir liegt der verlassene und vernachlässigte Arbeitszettel >> Mein kleines Rechenheft <<. Ein Schaf, ein Igel und etliches anderes Getier blicken mich ratlos an. Die scheinen irgendwie den gleichen Gesichtsausdruck zu haben wie ich. Wie schaffe ich es bloß, dass ich dem Kind, in den nächsten Wochen, die sich bis zum September zu ziehen scheinen, Mathematik näher bringe, während das Telefon klingelt und ein E-Mail nach dem anderen auf meinem Monitor erscheint? Ja, wie schaffe ich diese Zeit überhaupt. Soll ich mein Business einfach abdrehen, den Stecker ziehen und in den nächsten Tagen eine Online-Ausbildung zur Teilzeit-Pädagogin absolvieren?

Wer weiß, vielleicht tun sich dadurch neue Geschäftschancen auf. Halt. Schon wieder im alten modus operandi. Aus, Schluss - diesen Gedanken muss ich in der Sekunde verwerfen, denn so kann es mit meiner Teilzeit Pädagogenschaft nichts werden. Na, man wird ja wohl noch an sein Leben nach Corona denken dürfen...

Ah, das Kind steigt von oben herab, setzt sich schweigend neben mich und beginnt, zwar mit einem Schnoferl, aber beginnt, das verlassene Arbeitsblatt zu bearbeiten. Zwischendurch scheint mir, spricht sie mit dem Getier. Ob die Ihr den Rechenweg besser erklären können? Wie auch immer. Nur weiter so. Wenn wir so zum Ziel kommen, soll es mir recht sein.

So sitzen wir beide da. Die eine schreibt, die andere rechnet. Fertig, höre ich von nebenan und schon schiebt mir das Kind den Zettel zwischen Monitor und Nase. Trennt in der Sekunde meine Aufmerksamkeit vom Schreiben. Wenig später, nachdem die Rechnungen kontrolliert und das Kind erneut insistiert, dass es heute nichts mehr lernen will, nehme ich das Schreiben wieder auf. Aber es soll mir nicht mehr recht gelingen. Ganz wie in den letzten Tagen. Das Telefon, es klingelt wieder. Das Kind, es steht Müsli schmatzend auf der anderen Seite des Tisches und jeder Bissen der von einem Knacksen begleitet wird, löst meine Gedanken auf. Lässt sie verschwinden. Ob sie wiederkommen? Ob überhaupt irgendetwas wiederkommt? Womit darf ich rechnen?

© Katharina Sigl 2020-03-31

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