Aus Liebeskummer ins Land der Pyramiden

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Aus Liebeskummer ins Land der Pyramiden | story.one

Lona hatte Liebeskummer, wieder einmal. Und musste sich aussprechen.

"Der Charly, das Arschloch....". Er hatte sie verlassen. Sie schniefte ein wenig in ein ihr zur Verfügung gestelltes Feh Taschentuch.

Mein Ehemann, hauptberuflich freischaffender Künstler, nebenberuflich einfühlsamer Frauenversteher trat sofort auf den Plan. Als Zuhörer, Seelentröster und Ratgeber. Dann gebar er spontan die Idee, Lona könnte sich uns auf unserer schon seit Längeren geplanten Ägyptenreise anschließen. Um auf andere Gedanken zu kommen.

Warum nicht, dachte ich, sie könnte unsere Dreierkonstellation aus Mutter, Vater, Kind (mit im Boot war unser 10jähriger Sohn) etwas auflockern. Meist war mein Mann auf Familienreisen eh ein bisschen verkrampft. Ihr Ticket war schnell gebucht.

Zunächst verlangte es noch einiger Anweisungen unsererseits, denn Lona war, was ihren Bekleidungsstil anging, sehr freizügig. Also, wir fahren in ein muslimisches Land. Dort sind die Männer so viel nackte Haut nicht gewohnt, daher ist es besser, sich als Frau bedeckt zu bekleiden, auch wenn es in der Wüste sehr heiß ist. Es gibt ja auch hübsche weite Baumwollhosen und langärmelige Blusen. Treuherzige Blicke aus Kajalaugen, verständiges Kopfnicken und Löckchengewippe.

Am ersten Tag in Kairo besichtigten wir die Altstadt und das Basarviertel. Ein Traum aus Tausend und eine Nacht, nur ein wenig verstaubt. Die Straßen voll Männer in Djellabas und mit Turbanen. Und Lona im ärmellosen Minikleid! Wir ernteten Blicke, aber nicht nur angenehme. Wir schleppten sie in ein Kleidergeschäft, und sie musste sich eine weite Hose samt Bluse kaufen. Um ihren Vorstellungen von weiblicher Kleidung gerecht zu werden, stülpte sie sich einen Strechminirock über die Hose. Aber immerhin ein Kompromiß, und wir konnten relativ unbehelligt unsere Tour fortsetzen.

Später erstand sich Lona ein knallrotes, bodenlanges Unterkleid aus transparenter Spitze. Ich hatte keine Ahnung, wo sie das überhaupt gefunden hatte. "Das habe ich für Charly gekauft!", flötete sie.

Ach so? Ich dachte, es sei aus! Sie:"Immer, wenn ich das Kleid ansehe, sage ich zu ihm, du Hure, du!" - In meinem Kopf nur mehr Fragezeichen!

In Hurghada, wo wir gemeinsam mit einem deutschen Pärchen ein altes Haus mieteten, ließ sie sich am Morgen so lange nicht blicken, bis wir das Frühstück zubereitet hatten, um uns dann mit einem Auftritt im "Hurenkleid"zu beglücken.

Am Strand lernten wir einen jungen Typen kennen, der ein kleines Café betrieb. Dort hingen wir oft ab und spielten mit den Ägyptern Backgammon. Lona wollte lieber sonnen und verschwand in den Dünen. Der Strand war einsam und fast menschenleer. Plötzlich sahen wir auf etlichen Dünenkämmen Männer sitzen, die alle in dieselbe Richtung glotzten. Wo kommen die alle so plötzlich her? Mein Mann sprintete los und fand sie barbusig in einer Sandkuhle liegen. "Ich bin gern nahtlos braun," winselte sie, als er sie anschrie, sie soll sich doch was anziehen.

© Kesharinii