Darum prüfe, wen Du auf ewig bindest …

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Darum prüfe, wen Du auf ewig bindest … | story.one

Ja, wir wollten kirchlich heiraten. Zugegeben, da spielten auch die Erwartungen unserer beiden Familien eine Rolle, doch standen meine Partnerin wie auch ich bewusst in unseren christlichen Traditionen. Die kindliche Frömmigkeit aber war durch die Alltäglichkeiten von Ausbildung, Arbeit und Beruf bis auf wenige Reste abgeschmolzen. In asiatischen Religionen beginnt die eigentliche Befassung mit spirituellen Dingen erst richtig, nachdem man die Aufgaben von Bildung, Familie, Beruf erfolgreich erledigt hat. Wir waren damals noch lang nicht so weit.

Da ich als Protestant mit einer katholischen Trauung einverstanden war, galt es nun, eine geeignete Kirche zu finden. Ein Schwager meiner Freundin versprach zu helfen und es gelang ihm, dass wir in seiner Pfarre heiraten durften. Der Pfarrer kannte uns zwar nicht, doch das ließ sich ja schnell nachholen. Wir stellten uns vor, er nahm unsere Personalien auf und wir einigten uns auf einen Termin.

Dann war es soweit und wir konnten endlich „zum Traualtar schreiten“. Ein wenig irritierend war es aber schon, als der Pfarrer in der Begrüßung bei meiner Braut ihren zweiten Taufnamen verwendete. „Kann passieren“ dachte ich und hatte den kleinen Zwischenfall im Verlauf des weiteren Wortgottesdienstes schon fast vergessen.

Nun aber ging es an die Vermählungsfragen, wo die Brautleute namentlich aufgerufen werden und mit einem lauten „Ja“ ihre Freiwilligkeit, Bereitschaft zur Treue etc. bekunden und da! - Schon wieder: Der Pfarrer nannte meine Braut bei ihren vollkommen ungewohnten 2. Namen.

Nun aber, nach der Segnung der Ringe wurde es besonders kritisch, denn hier sprechen die Brautleute beim Anstecken der Ringe einander ja namentlich an. Sollte ich im Sinne des bisherigen Ablaufs der Zeremonie den 2. Namen verwenden oder meine Braut so wie sonst auch immer mit ihrem „richtigen“ Namen ansprechen? Viele Fragen gingen durch meinen Kopf wobei ich durchaus zu zweifeln begann, wie die ganze Angelegenheit in kirchenrechtlicher Hinsicht zu beurteilen sei. Wäre etwa vorstellbar, dass wir einander rechtsunwirksam verehelicht worden wären?

Egal. Ich wandte mich meiner Braut zu. Laut und mit fester Stimme nannte ich sie in dieser Zeremonie erstmalig bei ihrem richtigen Namen. Im Augenwinkel sah ich, wie der Pfarrer für einen Moment zusammenzuckte. Möglicherweise hatte er befürchtet, auch gar meinen Namen falsch aufgenommen zu haben, doch da konnte ihn meine Braut bald beruhigen.

Dennoch wurde im weiteren Verlauf des Gottesdienstes kein einziger Name mehr genannt. An den entsprechenden Stellen der Fürbitten hieß es stattdessen „dein getreuer Knecht“ bzw. „deine brave Magd“ und das fiel kaum jemandem auf.

Unserer Ehe hat dieser kleine Fauxpas nicht geschadet. Seit Jahrzehnten sind wir verheiratet und uns wurden drei Kinder und mittlerweile auch drei Enkel geboren. Meine Ehefrau und ich engagieren uns beide in unseren verschiedenen Kirchen. Funktioniert prima!

© Klaus Schedler 11.05.2019