Erstaunliches Detail im Trinity College

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Erstaunliches Detail im Trinity College | story.one

„.. wann mi des Reisebüro net vermittelt hätt ...“ ließ Helmut Qualtinger den Travnicek des Öfteren sagen. So ähnlich ging nun mir: Ich war als Mitglied einer österreichischen Wirtschaftsdelegation in Dublin angekommen und man hatte uns im sündteuren „Westin“ untergebracht. Anscheinend zeigten uns die Gastgeber, was sie so drauf hatten.

Kein Wunder: Es war 1993 und Irland hatte den Sprung zum „Keltischen Tiger“ vollzogen. Die Wirtschaft boomte und immer mehr ausländische Investoren pumpten Geld in dieses einst unbedeutende Land. Doch es waren nicht nur die vergleichsweise geringen Unternehmenssteuern, die die internationale Finanzwelt lockte, sondern auch ein effizientes Bildungswesen. Ja, Irland war damals Pionier und Vorbild bei der Entwicklung nationaler Qualifikationsrahmen, die innerhalb der Europäischen Union zur Transparenz bei der Vielfalt nationaler Bildungsnachweise führen sollten.

Mich interessierte die berufliche Weiterbildung auf Hochschulniveau: Ein Thema, wo wir in Österreich jedenfalls damals noch unterbelichtet waren, während man jenseits der Kanals schon über richtungsweisende Modelle verfügte.

An einem Besuch des Trinity College, der besten Universität Irlands, ging also kein Weg vorbei, zumal es zu Fuß vom Hotel aus zu erreichen war. Unsere kleine Entourage war um 10:00 Uhr erwartet worden und die Abwicklung der unvermeidlichen Honneurs dauerte mindestens eine halbe Stunde. Daraufhin wurden wir in die wirklich beeindruckende Bibliothek geführt, wo wir neben einer Einführung in die Architektur des Gebäudes eine Sonderführung zur zentralen Attraktion des Hauses, dem weltberühmtenn „Book of Kells“ bekamen. Schlussendlich wurden wir zum Gespräch und Beantwortung allfälliger Fragen ins angeschlossene Rektorat geführt.

Jetzt wäre Gelegenheit gewesen, mein Anliegen vorzubringen, doch hatte ich schon eine ganze Zeit vorher eine Toilette gesucht, aber in dem altehrwürdigen Gemäuer nichts Entsprechendes gefunden. Nun also fragte ich diskret nach einem „Mens Restroom“ worauf der Headmaster lachend meinte, dass man in seinem uralten Gebäude mit einer „Uni-Sex“ Toilette das Auslangen finden müsse. Was ich jedoch vorfand, war mehr als ich erwartet hatte: Tatsächlich stand da in einem winzigen Zimmerchen ein wohl 200 Jahre altes imposantes Holz-Porzellan Möbelstück, dessen Funktionsweise sich unschwer erraten ließ. Wie zur Bestätigung, dass ich alles richtig gemacht hatte, zog ich an der Kette und die Spülung erledigte den Rest. Als ich rauskam, machte ich den Gastgebern ein Kompliment über ihre konsequent praktizierte Tradition.

Eben wollte ich nun zu meiner ersten Frage ansetzen, als sich unser Delegationsleiter um 12:00 bereits anschickte, den Gastgebern in unser aller Namen den Dank auszusprechen. Vom ersten Kontakt blieb mir somit nur das Bild des uralten Klos. Doch es sollten sich beim Irland Besuch noch weitere, erfolgreichere Kontakte ergeben.

© Klaus Schedler 19.10.2019