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Irgendwie wirkt jeder Segen

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Irgendwie wirkt jeder Segen | story.one

„Hallo, alles in Ordnung?“ Ich schätzte sie auf unter 30 und ich hatte nicht bemerkt, wie sie sich mir genähert hatte. „Ja, danke, alles bestens. Ich raste mich hier nur ein wenig aus“ so hörte ich mich sagen. Ich genoss meine nach der Krankheit mühsam wiederkehrende Mobilität und war mit der Tram zum Reumanplatz gefahren und von dort noch ziemlich mühsam durch fast die gesamte Fußgängerzone mit meinem Rollator in Richtung Hauptbahnhof gegangen. Endlich wieder allein unterwegs sein können und mir selbständig das Angebot in den Geschäften anzuschauen. Davon hatte ich ausgiebig Gebrauch gemacht, jedoch nichts gekauft , denn darum ging es mir ja gar nicht. Nun, nach 1 ½ Stunden hatte ich im Columbus-Center eine Pause eingelegt – nein, nicht im Café, sondern ich hatte mich einfach am unteren Ende der Rolltreppe in meinen Rollator gesetzt und gedöst. Hätte ich einen Pappbecher in der Hand gehalten, so wäre wohl bald die erste Münze darin gewesen, doch mir war egal, was die Leute über mich dachten, denn ich war mit meiner Leistung vollauf zufrieden.

Die junge Frau ließ es aber nicht bei ihrer einfachen Anteilnahme bewenden, sondern wollte nun mehr von mir wissen: Woran ich leide, weshalb ich den Rollator benötige, seit wann ich diese Probleme hätte, welche Organe oder Körperregionen betroffen sind, ob ich noch berufstätig sei, Familie hätte usw. usw. In der Anonymität der Großstadt sah ich keine Veranlassung, aus diesen Dingen ein Geheimnis zu machen und gab somit bereitwillig Auskunft. Auch sie war ja schließlich freundlich zu mir und warum sollte ich sie zurückweisen. Ob ich ein gläubiger Mensch sei, wollte sie nun wissen. „Ja, das bin ich!“ so meine knappe und ehrliche Antwort.

„Darf ich Sie dann fragen, ob ich Sie segnen darf?“ Ich lachte und sagte „Ja, das können Sie versuchen. Christi Jünger im Evangelium und in der Apostelgeschichte haben damit oft Erfolg gehabt. Seien Sie aber bitte nicht enttäuscht, wenn hier und heute mit mir nichts passiert.“ Sie lächelte nur und legte schweigend ihre Hand auf mein Haar, strich danach über mein Rückgrat und berührte schließlich meine Herzregion. „So, das war's schon“ meinte sie und wünschte mir zum Abschied noch Alles Gute. „Danke und Ciao“ sagte ich.

In wieweit mir ihr Segen geholfen hat, kann ich nicht sagen, doch bin ich mir ziemlich sicher, dass sie sich jedenfalls nachher prima gefühlt haben dürfte. Egal ob so oder anders, irgendwie wirkt so ein Segen immer!

© Klaus Schedler 22.04.2019

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