Pfingsten 2019

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Pfingsten 2019 | story.one

Bald ist Christi Himmelfahrt und das bedeutet: Das Pfingstfest steht vor der Tür. Pfingsten, das ist kein „irgendwie persönlicher Festtag“ wie etwa der Karfreitag, sondern ein immer noch richtiger Feiertag, der niemandem weggenommen wird. Als evangelischer Christ hat mich daher das Pfingstfest heuer irgendwie mehr beschäftigt, als sonst und nur so kann ich mir den folgenden Traum erklären:

Ich hielt ein Dokument in Händen: Ein Schreiben des Bundeskanzleramts (GZ: BKA-x.000/0055/19) mit folgendem Vortrag an den 59. Ministerrat der XXVI Regierungsperiode.

„Vortrag an den Ministerrat das Pfingstwunder betreffend

Angesichts des bald zu erwartenden Pfingstfestes hält es die Bundesregierung für geraten, für den Fall einer Neuauflage der seinerzeitigen Ereignisse samt Ausgießung des Heiligen Geistes folgenden Eventualbeschluss zu verabschieden und gegebenenfalls zeitgerecht zu veröffentlichen:

»Unter Bezugnahme auf die biblischen Ereignisse gem. Apg 2 1-4 stellt die Bundesregierung einhellig fest dass 1 am Tag da Pfingsten erfüllt war, siehe da waren der Bundeskanzler sowie die Ministerrinnen und Minister sämtlicher Ressorts wie auch alle Staatssekretärinnen und Staatssekretäre einmütig beieinander. 2 Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte den gesamten Sitzungssaal. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer; und ER setzte sich auf eine/n jegliche/n unter ihnen; 4 und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen.«

Es wird der Antrag gestellt, die Bundesregierung wolle diesen Bericht zustimmend zur Kenntnis nehmen.“

Als ich erwachte, war mir klar, welch Unsinn ich da geträumt hatte. Bereits im Vorfeld eines Ministerrats wäre ein derartiges Vorhaben schon deshalb gescheitert, weil es sich um eine sämtliche Ministerien übergreifende Angelegenheit handelt und somit zwar wohl das Bundeskanzleramt berufen sei, einen solchen Antrag zu stellen, doch das würde nicht reichen. Vorher nämlich wäre es gleichfalls Sache des Bundeskanzleramts, das grundsätzliche Einvernehmen aller Ressorts herzustellen, wobei nach meiner Meinung schon die Legistik-Abteilungen Bedenken geltend machen dürften. Darüber hinaus wäre in einer solchen Angelegenheit mit massiven Bedenken der Landesregierungen zu rechnen und ich denke hier nicht nur an das „Heilige Land Tirol“. Demgegenüber könnte ich mir aufgrund jüngster Erfahrungen gut vorstellen, dass evangelische Einrichtungen schlichtweg übergangen werden, wo hingegen der päpstliche Nuntius selbstverständlich einzubinden wäre.

Fazit: So wird das nie etwas werden. Im Endergebnis würde also so etwas herauskommen wie beim „Münchner im Himmel“ Mit anderen Worten und frei nach Ludwig Thoma: »Und so wartet die Regierung noch immer auf die göttlichen Ratschläge bzw. die göttliche Eingebung.«

© Klaus Schedler 26.05.2019