Über selbstlose Freude

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Über selbstlose Freude | story.one

Als ich die onkologische Station verließ, war es bereits dunkel. Ich wollte noch nicht nach Hause. Also machte ich einen Spaziergang an der Salzach entlang. Mein Kopf benötigte dringend frische Luft. Mein Magen knurrte. In der Hoffnung, dass er geöffnet ist, suchte ich den Würstelstand auf. Ich bestellte eine Käsekrainer und ein Seitel Bier.

Meine Gedanken schweiften wieder ins Krankenhaus. Ich bekam ein schlechtes Gewissen. Hatte ich doch ein paar Sachen gesagt, die eine kranke Person, bei welcher der Krankheitsausgang noch ungewiss ist, vielleicht nicht gerade hören wollte. Ich redete über den Tod. Dabei müsste ich es doch besser wissen. Gerade ich. Aber ich verzieh mir. Bin ich doch auch nur ein Mensch.

Auch sprach ich über Menschen, die die Krankheit besiegt haben und denen es wieder gut geht. Was ja eh passt, wie ich finde.

Zwei Tage später, war ich in Südtirol und wartete auf meine Schwester. Fröhlich fotografierte ich und schickte dem Patienten ein paar Bilder. Sowie er es sich gewünscht hatte.

Auch schrieb ich ihm eine Nachricht und entschuldigte mich dafür, dass ich ein vielleicht unpassendes Thema anschnitt. Darauf antwortete er ungefähr so: „Weißt Du was Kristina, ich freue mich für Menschen, denen es gut geht. Da muss ich sie nicht mal kennen, verspüre ich eine gewisse Dankbarkeit darüber, weil sie es halt geschafft haben.“

„Wow, wie wunderbar ist das bitte?“, freute ich mich. Mir war klar, dass er meine Nachricht falsch verstanden hat. Ich wollte mich dafür entschuldigen, dass ich ihm gegenüber über den Tod sprach. Er jedoch dachte sich, dass ich meine, dass er es den Menschen nicht vergönnt, dass sie wieder gesund geworden sind, weil bei ihm halt gerade alles ein bisschen unsicher ist. Wir telefonierten dann noch eine Weile und haben alles ausgesprochen.

Doch bleibt für mich die tiefe Freude darüber, dass er es in seiner Situation schafft, sich für andere, vielleicht sogar fremde Menschen zu freuen, dass sie die Krankheit besiegt haben.

Einfach schön, wie ich finde. Danke, Du starker Mann.

© Kristina Fenninger