Alleine

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Alleine | story.one

Ob Theater, Konzert, Kaffee trinken mit der Familie oder Essen gehen mit Freunden. Ich liebe es, in netter Gesellschaft zu sein. Ob in Kursen oder auf Feiern, ich freue mich immer, wenn ich neue Menschen mit Herz kennenlerne. Ich schätze gute, tiefgründige Gespräche genauso wie Abende, an denen die ganze Zeit gelacht wird, einfach, weil wir es gerade so lustig haben.

Wenn spontan wer vorbeikommt, hab ich immer zumindest eine Jause und ein Bier daheim. Und wenn nicht, dann besorge ich noch schnell etwas. Wie gut, dass wir so zentral wohnen und der nächste Markt zu Fuß in 10 Minuten zu erreichen ist.

Bis vor Kurzem war ich nur ungern alleine. Zumindest seit ich erwachsen bin. Als Kind und als Jugendliche hatte ich schon gerne auch lange Spaziergänge nur mit mir gemacht. Ich entdecke gerade wieder, wie schön es ist, auch mal ganz für sich zu sein. Damit meine ich auch, mit ausgeschaltetem Handy zu sein. Ich überlege dann, worüber ich schreiben könnte oder schau, ob ich einen kreativen Einfall hab.

Natürlich muss auch immer wieder mal so einiges überdacht werden: „Wie soll es weiter gehen in meinem Leben? Geht es mir gut damit, wie es gerade ist?“ Für diese Innenschau tut es dann schon mal gut, ganz ungestört zu sein.

Gerne gehe ich zum Sinnieren auch mit meinem Hund spazieren. Die Natur und die Bewegung sind etwas ganz Wertvolles für mich.

Apropos Hund: auch er freut sich immer sehr, wenn es an der Haustür läutet. Er springt dann immer auf von seinem Platz, den er eingenommen hat, und begleitet mich schwanzwedelnd zur Tür. Auch er ist gerne in netter Gesellschaft. Da ist es ihm dann auch völlig egal, ob es sich dabei um menschliche oder tierische handelt.

Vor einigen Tagen, Benny (der Hund) und ich waren allein daheim, da mein Freund beim Fischen war, lief im Radio Ö3. Kurz vor Wetter und Verkehr zur halben Stunde lief wie immer Werbung. Darunter auch die, welche uns zum Bestellen bei einem Onlinehändler animieren will. In der besagten Werbung wollte man wohl eine Lieferung imitieren. Man hörte, wie darin eine Türglocke läutete. Voller Freude sprang Benny wie immer auf und schaute mich ganz irritiert an. Wohl hätte er gerne gesagt:„ Frauli, hörst du nicht, wir haben Besuch, steh doch endlich auf, du Faulpelz.“ Als ich keine Anstalten machte, die Tür zu öffnen, legte er den Kopf schief und begann zu winseln. Er tat mir leid. Ich bat ihn zu mir, streichelte ihm über den Kopf und redete mit ihm: „Benny heute bleiben wir allein, nur du und ich. Komm, mach es dir wieder gemütlich. Bald bekommen wir wieder Besuch. Bald Benny! Aber nicht heute Benny. Nein Benny, heute wirklich nicht.“

© Kristina Fenninger 01.12.2019