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Alles Nesseln, oder was?

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Alles Nesseln, oder was? | story.one

Es war ein kalter Wintertag. Die Sonne stand am Himmel, und der Schnee glitzerte. Mein Freund und ich drehten unsere “Morgenhunderunde“ am spiegelglatten Feldweg mit Benny.

„Wie interessant da alles riecht“, dachte sich wohl der Hund und blieb einige Meter hinter uns, damit ihm ja kein Duftzeichen entging. Plötzlich hatte er aber dann doch genug, nahm Anlauf und rannte mir in die Beine. Es haute mich so dermaßen auf den Hintern. Ich schrie. Wochenlang hatte ich einen schmerzenden Arm und arge blaue Flecken.

Gut zwei Jahre später. Ostern 2020. Wir drei waren an unserem Teich, der zwar gar nicht uns gehört, doch mein Freund pflegt das Grundstück, und somit dürfen wir es nutzen. Umgeben ist der Teich von einem kleinen Wald. Nach der ganzen Oster-Völlerei dachte ich mir, dass vielleicht eine kleine Entgiftungskur nicht schaden kann.

Eine richtige Kräuterhexe bin ich ja nicht, aber doch weiß ich um die Wirkung von so einigen Kräutern Bescheid. So eben auch von der Brennnessel, welche zur Genüge im Wald des Grundstückes wächst. Dieses Kraut wirkt entgiftend, hautreinigend und immunstärkend. „Grad das Richtige für mich“, beschloss ich und begann, während der Hund im Grundstück rumstreifte, eifrig zu ernten. „Einen herrlichen Tee mache ich mir daraus“, ja, so war mein Plan. So sitze ich in der Hocke, in kurzer Hose und Top zwischen den brennenden Dingern, ganz bedacht darauf, nur die frischen Blätter zu ernten. Ich gebe zu, ein (oder waren es doch zwei?) Bier(e) hatte ich auch schon intus, was sich nicht unbedingt günstig auf meinen Gleichgewichtssinn auswirkte. Doch man gönnt sich ja sonst nichts!

Benny hatte wohl was gesehen (vielleicht den Osterhasen?), startete durch, rannte volle Kanne-Susanne auf mich zu, und ehe ich mich versah, lag ich in den Brennnesseln. Angenehm, wirklich sehr angenehm!!

Nach einigen Stunden, das Brennen war vergessen, machten wir uns auf den Heimweg. Da es mir dann doch kalt war, beschloss ich, mir ein heißes (und wenn ich schreibe heißes, dann mein ich auch heißes) Bad einzulassen. Ich freute mich darauf und begab mich in die Wanne. Und was soll ich sagen, die Nesseln entfalten ihre Kraft erneut, aber so richtig. So schnell war ich noch nie wieder aus der Badewanne heraußen. Am Körper überall rote Punkte. Ach, wie dankbar war ich um die kalte Dusche.

Und die Lust auf frischen reinigenden Brennneseltee ist mir fürs Erste vergangen, mag er auch noch so gesund sein!

© Kristina Fenninger 2020-04-17

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