arMUT

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In einem Kulturmagazin las ich vom Salzburger Kultur Pass. Das ist ein Ausweis für all jene Kunst- und Kulturinteressierten, die im Moment, aus welchem Grund auch immer, wenig Einkommen haben, trotzdem aber am kulturellen Leben teilhaben wollen. Ein tolles Projekt, wie ich finde. Da mein Krankengeld nicht gerade hoch war, beschloss ich die nötigen Unterlagen zusammenzusuchen und machte mich auf den Weg zum Büro der Caritas in Neumarkt.

Nach Überprüfung meiner Dokumente händigte mir die freundliche Dame den Pass aus. Daheim begutachtete ich ihn genauer. Auf der Rückseite steht geschrieben: “Eine Aktion initiiert vom Schauspielhaus Wien und DIE ARMUTSKONFERENZ“. Fast bekam ich dann ein schlechtes Gewissen, weil arm bin ich nun wirklich nicht. Ich überlegte, ob ich den Pass benutzen sollte. Ehrlich gesagt will ich nämlich nicht, dass die Kassiere denken, dass ich arm bin. Benutzt habe ich ihn dann aber doch. Das erste Mal, als wir ins DAS KINO gingen, um den neuen Film “ Das dunkle Paradies“ mit meinem absoluten Lieblingsschauspieler Manuel Rubey anzuschauen. Ich rief an, um Karten vorzubestellen. Als ich dann die Tickets eine halbe Stunde vor Beginn holen wollte, erklärte mir der nette junge Mann, dass man mit dem Pass keine Karten vorbestellen kann. Er versicherte mir aber, dass es noch genug freie Plätze gibt und wir einfach fünf Minuten vor Beginn wieder kommen sollen. Gesagt, getan. Etwas peinlich berührt bezahlte ich dann die drei Karten. Meine vierte war umsonst.

Einerseits freute ich mich. Andrerseits fühlte es sich nicht ganz richtig für mich an. Ob ich ihn in Zukunft, er gilt noch bis Mai, benutzen werde? Ich weiß es noch nicht. Auch wenn es egal ist, was andere denken. Eigentlich. Aber andererseits auch wieder nicht.

Wie müssen sich wirklich arme Menschen in der Festspielstadt Salzburg umringt von Glanz und Glamour und überhaupt überall fühlen?

Doch stecken in dem Wort Armut auch die Buchstaben MUT, und den wünsche ich uns allen, besonders aber jenen, die ihn gerade ganz besonders dringend brauchen.

© Kristina Fenninger 22.09.2019