Das Missverständnis

Es war ein heißer Samstag. Den ganzen Vormittag hatte ich mit der Korrektur meiner Geschichten verbracht. Schließlich sollen ja im Buch keine oder zumindest nicht allzu viele Fehler sein.

Plötzlich klingelte mein Handy. Eine Freundin war dran. Ob ich nicht Lust habe mit ihr eine Runde schwimmen zu gehen??, wollte sie wissen. Und ob ich hatte. Sie holte mich ab und wir fuhren an den See.

Gemütlich zogen wir unsere Runden. Weil ja Bewegung, frische Luft und Quatschen bekanntlich hungrig und durstig macht, (obwohl essen kann ich eh fast immer) wollten wir uns eine Kleinigkeit kaufen.

Wir gingen ins Strandcafe. Ich hatte 10 Euro und ein paar 10 und 20 Cent Münzen dabei. Da ich sah, dass Grillwürstl mit Pommes 11 Euro irgendetwas kosteten, fragte ich den Kellner ob 10 Euro eh ausreichend sind, für einen sauren Radler und Pommes. Man weiß ja nicht, bei den horrenden Preisen. „Ja, ja, das wird sich schon ausgehen“, meinte er, also bestellte ich. Meine Freundin orderte einen gespritzten Apfelsaft. Nach ein paar Minuten kam er wieder zu uns an den Tisch und fragte, was wir denn bestellt haben, er hat es leider vergessen. „Kein Problem“, antworteten wir und wiederholten unsere Wünsche. Darauf antwortete er: „Ich bring Ihnen gleich Ihre Bestellung und das Geld.“ OK, ich war etwas verwundert. „Wahrscheinlich will er auch gleich kassieren“, dachte ich mir. Kurze Zeit danach servierte er unsere Getränke und die Pommes. Auch legte er uns 1,20 Euro an den Tisch. „Damit Sie dann bezahlen können, denn kassieren tut meine Kollegin“, meinte er.

Verwundert schauten wir uns an. Dann kapierten wir. Wir gaben ihm sein Geld wieder, schließlich hatte meine Freundin ja auch etwas. Aber er wollte es nicht.

Das End der Geschicht: Die Rechnung für alles zusammen inklusive dem Apfelsaft meiner Freundin machte 11,20 aus. Er meinte also, dass wir zusammen nur 10 Euro dabei hatten. Zum Kassieren ist dann doch auch wieder er gekommen. Als ich ihm etwas Trinkgeld geben wollte, wollte er es nicht annehmen. Er sagte: „Ich brauch das nicht, ich bin flüssig“. Er dachte, dass die 10 Euro meine letzten sind. Ich erklärte ihm, dass ich eh auch noch Geld habe, nur halt daheim und dass ich zum Baden nur nicht so viel mitnehmen wollte. „Ach so, Sie haben mir schon leid getan, dauert doch der Monat noch ein bisschen“, sagte er.

Wir lachten und bedankten uns ganz herzlich bei dem jungen Mann für seine Großzügigkeit. Wie schön, dass es Leute gibt, die anderen aus der Not helfen wollen. Auch, wenn wir seine Hilfe ja gar nicht gebraucht haben. Natürlich gaben wir ihm die 1,20 Euro auch wieder mit. Aber der gute Wille zählt.

Danke, Sie lieber, hilfsbereiter junger Mann.

© Kristina Fenninger