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#salzburglove

Die Topfentorte

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Die Topfentorte | story.one

„Einen Verlängerten und eine Topfentorte bitte. Ich hab heut nämlich Geburtstag und meiner Schwägerin versprochen, dass ich in Salzburg eine Topfentorte essen werde. Sie ist nämlich meine Lieblingsmehlspeise“, sagte die Dame, welche im Tomaselli alleine am Nebentisch saß.

Der Herr Ober stieg nicht wirklich ein auf das Gespräch und gratulierte ihr auch nicht zum Geburtstag. Sie tat mir etwas leid. So ganz allein den Geburtstag verbringen wäre nämlich so gar nicht mein Ding.

Aber vielleicht wollte sie es ja so. Vielleicht war sie ja gerne alleine und genoss es sogar, es zu sein. Wer weiß das schon!

Jedenfalls, nachdem meine Freundin und ich uns verabschiedet hatten, ging ich zu der Dame hin und sagte: „Ich habe gehört, dass Sie heute Geburtstag haben! Einen ganz schönen Tag wünsche ich Ihnen von Herzen. “

Ich gebe zu, der letzte Satz war gelogen. Sehr gerne hätte ich es getan. Wollte ihr gerne einen schönen Tag wünschen. Doch hab ich es sein lassen, weil ich mich nicht traute. Im Nachhinein hatte ich es dann schon ein wenig bereut, dass ich zu feige dafür war. Denn, was hätte schon passieren können? Im schlimmsten Fall hätte sie gesagt: „Lassen Sie mich in Ruhe.“ Aber das glaube ich nicht. Viel wahrscheinlicher hätte sie sich gewundert und gefreut, dass ihr jemand etwas Gutes wünscht. Ich denke, ich hätte ihr positive Momente beschert an ihrem Geburtstag, den sie gewollt oder nicht gewollt alleine verbrachte. In diesem Fall siegte aber, obwohl ich eigentlich kein Angsthase bin, meine Feigheit.

So blieb uns beiden etwas (wahrscheinlich) Positives verwehrt. Ihr, dass ihr eine völlige fremde Person etwas Gutes wünschte, und mir die Freude darüber, dass ich einer mir völlig fremden Person (wahrscheinlich) einen Moment des Glücks, der sie vielleicht weit über ihren Tag hinaus begleitet hätte, geschenkt hätte. Schade eigentlich!

Ich denke, in vielen Situationen im Leben geht es uns so. Zumindest mir ist es schon öfters so gegangen. Hab etwas sein lassen, was ich gerne gemacht hätte. Aber der Kopf mit seinen Worten: „Was sollen da die anderen denken?“, siegte zwar gar nicht so oft, aber doch hin und wieder. Aber was hat man schon zu verlieren? „Wenig“, denke ich, und das nächste Mal, wenn ich etwas gerne machen will, werde ich die Feigheit nicht gewinnen lassen!

© Kristina Fenninger 2019-11-23

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