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#freundschaft#stromslam#menschenliebe

Ein Licht in der Dunkelheit

  • 202
Ein Licht in der Dunkelheit | story.one

Es war ein sehr heißer Sommertag. Ich war jugendlich und machte mich auf meinem alten Damenrad auf den Weg zu meiner Schulfreundin V. Sie wohnte ca. 5 Kilometer entfernt von mir. Die Hinfahrt war ein wahres Vergnügen. Fast den ganzen Weg ging es bergab. Ich brauchte sehr wenig körperliche Energie einzusetzen, um an meinem Ziel anzukommen. Doch trieb mir der bloße Gedanke, dass ich später bei dieser Affenhitze den ganzen Weg ja wieder zurück musste, Schweiß auf meine Stirn. Denn dann würde es ja ganz steil bergauf gehen!

Den ganzen Tag verbrachten V. und ich am See. Sie erzählte mir, dass sie am Abend auf das Marktfest gehen werde. Ich rief meine Eltern (von einer Telefonzelle aus) an und überredete sie, mich mitgehen zu lassen. Voller Vorfreude fuhren wir zu meiner Freundin nach Hause und machten uns frisch für das Spektakel. Danach gingen wir in ein Zoofachgeschäft und besorgten uns bunte Knicklichter, welche normalerweise Fischer in der Nacht an ihrer Angelschnur befestigen, um zu sehen, wann ein Fisch angebissen hat. Als es zu dämmern begann, knickten wir diese und liefen damit durch die Marktgemeinde. Vielleicht haben wir beide ausgesehen wie ein wandelnder Regenbogen. Wahrscheinlich. Wir lauschten der Live-Musik und kauften uns Bosna von ihrem Taschengeld. Etwas später fand ich 20 DM, welche in süße Zuckerwatte investiert wurden. Die Freude darüber war riesengroß. Nicht aber, dass es langsam Zeit wurde für mich aufzubrechen, damit ich zum verabredeten Zeitpunkt mit meinen Eltern wieder zu Hause ankam.

Ich aktivierte den Dynamo meines Rades und machte mich auf den Heimweg. Sehr anstrengend war es für mich, den steilen Berg mit eingeschaltetem Dynamo (durch den das Ganze ja noch anstrengender wurde) hinaufzutreten. Doch absteigen und schieben wäre nicht infrage gekommen. Natürlich hätte ich so nicht genug Energie erzeugt, um die Lichter meines Rades zum Leuchten zu bringen. Also beschloss ich stark zu sein und trat mit voller Kraft in die Pedale. Daheim angekommen war ich völlig erledigt. Aber ich kann mich erinnern: „Es war auch ein gutes Gefühl, die Lichter mit eigener Kraft zum Leuchten gebracht zu haben.“ Heute habe ich an meinem Rad ein Licht, das leuchtet, wenn ich nur auf einen Knopf drücke. Welch ein Luxus. Doch bin ich sehr dankbar, auch das andere erlebt haben zu dürfen. Mit meiner eigenen Kraft ein Licht in die Dunkelheit zu bringen.

Ein Licht in die “Dunkelheit“ möchte ich auch ganz besonders in diesen Tagen, wo viele Menschen Angst haben, in die Welt zaubern. In Form eines herzlichen Lächelns, das ich den Leuten schenke, welche mir beim Spazierengehen unterkommen. Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass solches die Welt immer aber besonders derzeit etwas besser macht. Ich möchte wachsam sein, aber nicht in Angst verfallen, sondern meinen Mitmenschen etwas positive Energie schenken, und vielleicht gibt es der Beschenkte wieder weiter. So rücken wir in Zeiten wie diesen nicht auseinander sondern zusammen.

© Kristina Fenninger 2020-03-15

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