El Tiempo

„Bitte bringen Sie Zeit mit, Ihr Termin kann mehrere Stunden dauern“, stand auf der Einladung eben zu diesem Termin, der für 08:00 Uhr anberaumt war. Also nahm ich mir den ganzen Vormittag frei und warf Geld in die Parkuhr bis Mittag.

Um kurz nach acht war ich an der Reihe und noch vor halb neun konnte ich das Gebäude schon wieder verlassen.

„Was mache ich jetzt mit meinem freien Vormittag?“, überlegte ich mir. Ich schlenderte durch die Stadt, einfach so, ohne ein bestimmtes Ziel vor den Augen zu haben. In einer Bäckerei kaufte ich mir einen Kaffee und setzte mich raus in die Sonne. Nebel stieg von der Salzach hoch. „Was für ein herrlicher, erfrischender Sommermorgen?“, dachte ich mir. Mein eher mickriges Spanisch gab ich zum Besten, als mich ein Paar aus Madrid, wie ich erfuhr, nach dem Weg fragte. Wie schön. Trotz Schwierigkeiten habe ich mal wieder ein paar Sätze auf Spanisch gesprochen. Ach, wie ich diese Sprache doch liebe. Sie klingt so melodisch für mich. Ich freute mich.

Mit immer noch etwas Zeit im Gepäck beschloss ich, den Kapuzinerberg zu erklimmen. Anfangs kamen mir einige Touristen entgegen. Allen voran asiatisch aussehende Menschen. Wie könnte es anders sein, natürlich unzählige Fotos knipsend! Ein weit gereister Kameramann erzählte mir vor kurzem, dass die Asiaten so viele Fotos machen, weil sie nur wenig Urlaub haben. Ich glaube, zwei Wochen im Jahr sagte er. Diese freie Zeit packen sie sich sehr voll. Wieder zu Hause schauen sie sich dann die Fotos an, wo sie überall waren und wie es dort so aussieht. Mir kam in den Sinn, wie gut wir es doch mit wesentlich mehr Urlaub haben.

Ich führte meinen Weg fort und bald war ich ganz alleine und eins mit der Natur. Nach einer Weile beschloss ich mich auf eine Bank zu setzen. Ich lauschte den Geräuschen. Der hektische Lärm der Stadt drang zu mir hoch. Bei mir heroben hörte ich, wie die Wassertropfen sanft von den Bäumen prasselten. In der Nacht zuvor hatte es geregnet. So verweilte ich etwas und ließ meinen Gedanken freien Lauf.

Beim “Abstieg“ schaute ich nach links. Mein Blick fiel auf die mit Nebelschwaden umgebene Festung. Wie mystisch das aussah. Ebenso sah ich wilde Alpenveilchen. Ich mag diese Blumen nicht besonders, zumindest nicht im Topf. Aber in der freien Natur, da gefielen sie mir.

Ein Postbote kam mir entgegen. Zu Fuß.

Bei meinem Auto angekommen fühlte ich mich leicht, frisch und froh.

Die Zeit war für mich für einige Momente still gestanden. An diesem gewöhnlichen Donnerstagvormittag, welcher für mich ein ganz magischer war.

Wie schön es doch ist Zeit zu haben!?

© Kristina Fenninger