Für dich und auch für mich

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Für dich und auch für mich | story.one

Es ist ein mir liebes Ritual geworden: Das tägliche abreißen des Kalenderblatts meines Inspirationskalenders, den mir eine Freundin geschenkt hatte.

„Verschenke zu Weihnachten ein Buch und schreibe eine Widmung auf die erste Seite.“ Dieser Satz stand am 11. Dezember auf dem Blatt.

Ich musste schmunzeln und freute mich: „Schön, dieses Jahr kann ich zum ersten Mal ein von mir geschriebenes Buch verschenken.“ Ich muss schon sagen, das ist ein schönes Gefühl.

60 Stück habe ich bestellt von meinem eigenen zweiten Buch. Vorsichtig packe ich mehrere Exemplare aus. Jetzt denke ich angestrengt, mit dem Füller in der Hand nach, was ich der jeweiligen Person, die damit beschenkt werden soll, eben auf die erste Seite schreiben will. Eine brennende Bienenwachskerze neben mir. Ich überlege, was ich an dem Menschen besonders schätze, warum ich ihn besonders mag. Ich möchte ja schließlich nicht irgendetwas reinschreiben, es soll schon etwas sein, was den anderen vielleicht (hoffentlich) berührt. Mein Blick schweift dabei immer wieder aus dem Fenster. Es regnet. Es herrscht also draußen nicht gerade adventliches Wetter. In mir drinnen aber, verspüre ich das Gefühl von Weihnachten.

Meine Familie, meine Freunde, meine Ärzte und Therapeuten, die mir so sehr geholfen haben in diesem Jahr, sollen je ein Buch bekommen. Auch für die netten Krankenschwestern und Pfleger werde ich eines hinterlegen. Vielleicht macht es ihre kurzen Pausen im Nachtdienst ein wenig lustiger, ein wenig schöner! Sie haben mir alle so viel gegeben und jetzt hoffe ich, dass ich ihnen mit meinem Werk ein klein wenig zurückgeben kann.

Sorgfältig wickle ich das signierte Buch ins Geschenkpapier. Wenn es dem beschenkten ein wenig Freude macht, so hat es sich ausgezahlt es zu schreiben. Wobei, einer Person macht es jetzt schon viel Freude, nämlich mir selbst. Wieso auch nicht einfach mal sich selbst beschenken?

Wieso sich nicht einfach mal selbst einen kleinen oder größeren Wunsch erfüllen?

Warum vieles auf irgendwann verschieben?

Was weiß man schon! Vielleicht gibt es das irgendwann, irgendwann nämlich gar nicht mehr.

Wer weiß das schon?

© Kristina Fenninger