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Früher

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Früher | story.one

Früher war ich oft traurig, weil ich in der Schule sehr gemobbt worden bin. Einmal hatte mich eine Biene gestochen, und mein Fuß war ganz arg angeschwollen. Ich hatte eine weiße Creme darauf geschmiert. Einige Mitschüler sagten deshalb: „Igitt, dein Fuß schimmelt“ und haben mit ihren Füssen dagegen getreten. Das tat mir physisch sehr weh. Mal ganz abgesehen von den psychischen Schmerzen, die diese “Aktion“ hinterließ. Im Gesicht hatte ich Pickel. Natürlich war auch das gefundenes Fressen für so einige. Sowieso war ich eine Außenseiterin, gehörte nicht wirklich zu einer Clique dazu, wie ich es mir sehr gewünscht hätte. Doch hatte ich meist ein oder zwei Freundinnen. Trotzdem war mein Selbstbewusstsein im Keller, und ich litt so sehr unter den ständigen Demütigungen. Oft fühlte ich mich völlig wertlos. Ich machte mich auf die Suche nach meinen Talenten, meinte aber, nicht wirklich welche zu haben.

Später dann begann ich meine Lehre zur Hotelfachfrau. Ich war tollpatschig und sehr unsicher. Gegebenheiten, die diese Zeit manchmal sehr schwer gemacht haben. Doch wegen meiner sehr guten schulischen Leistungen durfte ich zweimal an einem Lehrlingswettbewerb teilnehmen. Einmal erreicht ich den dritten Platz. Ich freute mich sehr. Langsam ging es bergauf mit mir. Meine Lehre schloss ich erfolgreich ab. Nach ca. 50 Fahrstunden hatte ich dann auch meinen Führerschein geschafft.

Generell erreichte ich später fast alle Ziele, die ich mir gesteckt hatte. Ich lernte viele nette Leute, darunter auch meinen jetzigen Freund, kennen. So manche Menschen wurden Freunde fürs Leben.

Es war früher oft wahrlich keine leichte Zeit für mich, aber hätte ich das alles nicht erlebt, so wäre ich jetzt vielleicht nicht dieser glückliche und dankbare Mensch, der ich bin. So hatte vielleicht sogar diese Zeit ihren Sinn gehabt. Doch das wurde mir, wie so vieles halt, erst später bewusst. Heute weiß ich auch sehr wohl: Ich kann viel mehr als ich früher geglaubt habe. Das ist schon auch wieder ein gutes Gefühl, ja so kann man das sagen.

© Kristina Fenninger 2019-12-23

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