Hut ab

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Hut ab | story.one

LKH Salzburg. Aplasiestation. Mitten in der Nacht warst du in unser Zimmer gekommen, um nachzusehen, ob es uns gut geht. Mein komplett vollgeschwitztes Bett blieb dir nicht verborgen. „Steh auf“, sagtest du, „ich mach es frisch“. „Nein, das brauchst du nicht“, sagte ich. Es war mir unangenehm dir zusätzliche Arbeit zu verschaffen. Aber du bestandest darauf. „Wirst sehen, da schläft es sich besser“. Wie recht du hattest.

Eines Morgens wachte ich nach einer kurzen Nacht auf. Mein Kopf hatte die halbe Nacht ganz fürchterlich gejuckt. Viele meiner langen Haare lagen verteilt auf dem Kopfpolster. „Jetzt ist es wohl so weit“, dachte ich mir. Ich erzählte es dir. Du bist eine junge Pflegerin. „Weißt du was, ich schneide sie dir heute kurz, dann kannst du dich schon etwas daran gewöhnen“, sagtest du. Ich gebe zu, liebe L., eine Friseurin bist du nicht, wie auch, hast es ja nicht gelernt. Mein Kurzhaarschnitt gefiel mir so gar nicht. Du holtest den Rasierer und schertest mir die Haare vom Kopf.

Eines Tages, mir ging es schlecht, kam ich aus dem Badezimmer. Was erblickte ich? Ein sorgfältig gemachtes Bett mit einem Schwan aus Handtüchern. Das war nur der Anfang. Noch mehrere Male wurde ich mit solch einer netten Deko überrascht.

Als ich meine Tagesmutter Prüfung im Krankenhaus machen wollte, organisiertet ihr mir ein halbwegs steriles Material für ein Plakat, das ich benötigte. Von außen durfte wegen der Keime nichts eingeschleust werden, was man nicht abwischen konnte. Ihr reserviertet mir unseren Fitnessraum, wo dann die Prüfung stattfand.

Meine Freunde durften auch außerhalb der Besuchszeiten zu mir kommen. Immer wurde ihnen von euch freundlich die verschlossene Tür geöffnet. Wir gingen in den Aufenthaltsraum, um meine Bettnachbarin nicht zu stören. Auch ich darf jetzt, meinen Bekannten, den ich auf der Station kennenlernte, jederzeit besuchen. Das ist nicht selbstverständlich! Ich glaube zu wissen, dass ich euch manchmal auf die Nerven gegangen bin, weil ich wieder mal nicht schlafen konnte und noch mehr Schlafmittel verlangte. Oft läutete ich nicht nur einmal in der Nacht. Als ich fast im Viertelstundentakt vor lauter Schmerzen Morphium benötigte, wart ihr stets freundlich.

Als ich das Abendessen nicht runter brachte und später doch Hunger bekam, organisiertet ihr mir Brot und Aufstrich. Wann immer ich wollte, bekam ich ein Ananaseis von euch, in der Hoffnung, dass es meine starken Schmerzen im Mund etwas linderte.

Wenn ich mitbekomme, dass es in anderen Krankenhäuser und Stationen ganz anders aussieht und die Schwestern und Pfleger sich keine Zeit mehr nehmen dürfen oder können für ihre Patienten, so macht mich das traurig.

Ihr Krankenschwestern und Pfleger der Aplasiestation machtet für mich durch euer Wohlwollen und eure Herzlichkeit den Aufenthalt auf dieser Station, die ich längere Zeit nicht verlassen durfte, um so vieles leichter.

Ich ziehe meinen imaginären Hut vor euch. Und sage von ganzem Herzen Danke.

© Kristina Fenninger