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#schulgschichtn

Jesus und die zwölf Hühner

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Jesus und die zwölf Hühner | story.one

Eine Brille besitze ich seit ich in den Kindergarten gehe. Ich bin ohne Brille ein Maulwurf. Nicht nur einmal hatte ich das Gefühl, dass ich nicht nur eine Brille sondern auch ein Hörgerät brauche. Trotz meines jungen Alters!

Eines meiner Lieblingsfächer war Religion. Das Marienbild, welches wir von der Lehrerin zum Ausmalen bekamen, gestaltete ich liebevoll. In meinem Kinderzimmer errichtete ich einen Altar und stellte es hinauf. Gespannt hing ich an den Lippen meiner Lehrerin.

Als sie von Jesus und den zwölf Hühnern sprach, wunderte ich mich aber sehr. Ich glaube, in der ersten Klasse war das. „Was will der Jesus bitte mit 12 Hühnern?“, überlegte ich. „Warum wusch Christi seinen 12 Hühnern die Füße?“, fragte ich mich. Schon komisch, diese Kirche. „Vielleicht will er es einfach sauber haben in seinem Haus? Man weiß ja nicht, vielleicht waren sie ja vorhin auf dem Misthaufen und hatten dreckige Füße? Hhmm, aber dass Jesus sich dafür nicht zu schade ist?“, all das überlegte ich.

Schließlich war er ja nicht irgendwer, sondern mein Jesus. „Außerdem ist das ja grausig, den Hühnern, die überall reinsteigen, auch in die eigene Kacke, die Beine zu waschen.“ „Konnten früher die Tiere sprechen? Denn wie wäre es sonst möglich gewesen, dass Jesus von einem Huhn verraten wurde?“ „So ein gemeines Huhn!“, dachte ich mir.

So sponn ich meine Gedanken weiter und war also sehr erstaunt, was die alles so können, diese Hühner. Irgendwann aber kam mir das Ganze komisch vor ,und so fragte ich meine Lehrerin: „Was sind das bloß für besondere zwölf Hühner?“ Dass die ganze Klasse dann gelacht hat, glaub ich, brauche ich nicht extra erwähnen. Mir war das Ganze natürlich sehr peinlich. Aber immerhin, seit diesem Tag weiß ich, dass es nicht die zwölf Hühner, sondern die zwölf Jünger waren.

Ein anderes Mal im Deutschunterricht: Wo, wohin, woher stand im Deutschunterricht auf dem Stundenplan.

Ich wunderte mich sehr, was denn der Lehrer immer mit seinen OHRZANGENangaben hatte! Das gibt es ja gar nicht! Das hört sich ja komisch an, also wirklich, Ohrzangenangaben? „Was hat das bloß zu bedeuten, was soll das bitteschön sein?“, überlegte ich.

Fragen traute ich mich nicht. Irgendwann kapierte ich es dann aber doch, dass es nicht Ohrzangenangabe, sondern Ortsangabe heißen muss. Ich schmunzelte in mich hinein. „Wie gut, dass ich nicht gefragt habe“, dachte ich mir. Eine Blamage weniger.

Gott ließ es wieder ein Stückchen heller werden an diesem Tag, in meinem ab und zu sehr verpeilten Gehirn.

© Kristina Fenninger 2019-09-02

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