Just a cup of tea

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Just a cup of tea | story.one

Das Feuer knistert im Ofen. Ich stelle den Wasserkessel auf die vor Glut gefärbte heiße Platte. Danach gebe ich die im Sommer gesammelten Holunderbeeren in den Mörser. Vorsichtig zerkleinere ich sie mit den Stößel. Die Beeren werden dann mit getrockneter Minze, Thymian, Ringelblume und Malve aus unserem Hochbeet gemischt. Anschließend kommen die Zutaten in einen Teefilter.

Bis ich die Vorbereitungen abgeschlossen habe, pfeift er auch schon, der Kessel, und signalisiert mir damit, dass das Wasser jetzt bereit ist, sich in ein wirklich schmackhaftes Getränk zu verwandeln.

Ich nehme ihn von der Platte und gieße das heiße Wasser über den Teebeutel in die Kanne.

Danach heißt es 5-10 Minuten warten.

Anfangs schaut es noch ganz blass aus, mein Aufgussgetränk. Mit der Zeit aber verfärbt es sich in ein wegen der Beeren sattes Rot. Wie schön das doch aussieht.

Nach der Ziehzeit gieße ich den Tee in eine Tasse, bevorzugt in den story.one Cup.

Vorsichtig nippe ich daran. Wie herrlich er doch schmeckt, mein Tee.

Er wärmt meinen Körper und auch meine Seele. Er tut einfach gut. Ich liebe den Geschmack.

Wenn ich mir im Kaffeehaus einen Tee bestelle, dann bin ich immer ein bisschen in Sorge, ob die eh alles richtig machen mit dem Tee. Weil, ich bin wirklich nicht ganz einfach, was das Thema betrifft. Oftmals bekomme ich nämlich in einer Tasse ein nicht mehr ganz heißes Wasser und den Beutel DANEBEN serviert.

Aber ich war doch die Schülerin einer (zumindest was den Tee betrifft) strengen Berufsschullehrerin. Sie trichterte uns ein: „Der Tee ist ein AUFGUSSgetränk, genau richtig, ein Aufgussgetränk. Das sagt ja schon der Name. Also erst den Beutel in die Tasse, beziehungsweise in die Kanne, und dann das heiße Wasser darauf gießen. Und ja nicht umgekehrt. Sonst ist es ja kein AUFGUSSgetränk.“

Diese Worte haben gesessen. Seitdem bin auch ich etwas heikel was das Thema Tee betrifft.

So manches Mal sage ich zum Herrn Ober, wenn ich mir eine Tasse Tee im Restaurant bestelle: „Bitte erst den Teebeutel rein und dann das Wasser darauf!“

Wenn ich das aber nicht mache, einfach, weil es mir manchmal doch etwas zu blöd ist, dann werde ich oft enttäuscht, weil das heiße Wasser und der Beutel separiert serviert werden.

Das mag ich dann gar nicht so gerne. Und immer dann fallen mir die Wörter meiner Lehrerin ein: „Der Tee ist ein Aufgussgetränk,...“

Ich mag Tee sehr gerne und lasse mir oft freien Lauf und mische die Zutaten so, wie es mir gerade vorkommt. Somit schmeckt jede Kanne ganz anders.

Und wenn du mich jetzt fragen würdest, welchen Tee ich bevorzuge, die bunt gemischte heiße Hausmischung oder doch den gekühlten HopfenblüteneisTEE aus der Brauerei. Hmmhh, ich könnte mich gar nicht entscheiden.

Wie gut also, dass du mich das nicht fragst.

© Kristina Fenninger 15.11.2019