Nur ein Moment

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Nur ein Moment | story.one

Es gibt Menschen in meinem Leben, die ich nur wenig kenne, manche sogar fast überhaupt nicht. Und dennoch haben diese Menschen ein so schönes, oftmals ein magisches Gefühl in mir hinterlassen. Manchmal weiß ich auch gar nicht so genau, warum überhaupt. Es ist einfach so.

Vielleicht aber, weil sie so eine Lebensfreude oder Gemütlichkeit ausstrahlten, oder mich ihre Tapferkeit beeindruckte. Von der einen fand ich die Stimme so wunderbar angenehm und beim anderen gefiel mir, dass er sich nicht stur an manche Regeln hielt, sondern seinen eigenen Weg ging. Beim nächsten erinnerte ich mich an eine Situation, in der wir gemeinsam lachten oder vielleicht auch miteinander weinten. Manche Menschen belebten mich in irgendeiner Art und Weise, einfach weil ich sie so außergewöhnlich erfrischend fand.

Eine Fremde fällt mir wieder ein, welche mich letztens so nett anlächelte, nur für einen kurzen Moment. Doch hatte sie meinen Tag damit um so vieles schöner damit gemacht.

Beim anderen bewunderte ich das Vertrauen, dass er mir, einer fast Fremden entgegenbrachte. Ich hatte mich gefreut darüber.

Die Lesung meiner Geschichte in Linz dauerte nur wenige Minuten, und doch machte sie mich um vieles selbstbewusster. Ich war so stolz darauf, dort lesen zu dürfen. Dieses positives Gefühl nahm ich mir mit.

Heute am Mittag, ich saß in meiner Pause in der Sonne und öffnete die Post von einer lieben Autorin. Ihre Zeilen und die Widmung im mitgeschickten, geschenkten Buch trieben mir Tränen in die Augen und bescherte mir eine Gänsehaut am ganzen Körper. Diesen Moment werde ich jetzt immer in mir tragen, nämlich deshalb, weil ich ihn wirklich erlebte. Er gehört jetzt zu mir, zu meinem Leben. Er hatte so etwas ganz Positives für mich.

Verschiedene Menschen kamen in mein Leben. Manche blieben und andere gingen weiter.

Die Zeit verstreicht, und an manche Begegnungen, Menschen und Momente werde ich mich irgendwann vielleicht nicht mehr erinnern können. Doch haben sie mein Herz berührt, so bleibt irgendetwas davon, für immer. Tief drinnen in mir.

© Kristina Fenninger 22.05.2020