skip to main content

#weltbleibwach

Oh, what a colorful life

  • 200
Oh, what a colorful life | story.one

Ich stecke den Schlüssel ins Schloss und öffne die Tür. Es ist kalt im Haus. Ich heize den Holzofen an und lasse mir ein heißes Bad ein.

Danach bin ich aufgewühlt vor lauter Müdigkeit. Es war so viel los in letzter Zeit, zu viel. Mein Körper hat zu wenig von dem für ihn so wichtigen Schlaf bekommen.

Barfuß geh ich in die Küche runter und gieße mir ein Glas Blaufränkischen ein. Unter meinen Füßen spüre ich den kalten Fliesenboden. Er belebt mich.

Ich hole meine Wasserfarben aus dem Kasten und packe den Keilrahmen aus der Folie. Schon lange wartet er darauf, bemalt zu werden.

Auf YouTube gebe ich "Living next door to Alice" von Smokie ein. Mein Lieblingslied zurzeit, seit ein paar Tagen. In wohl falschen Tönen singe ich mit.

Der Pinsel gleitet über die Leinwand. Aus weiß wird bunt. Es tut mir gut. Ich kann wunderbar meinen Gedanken nachhängen bei dieser kreativen Tätigkeit.

Die letzten ganz unterschiedlichen Tage huschen an mir vorüber. Ich freue mich. Kann ich doch so viel lachen zurzeit. Wie ich das mag. Lachen gehört für mich überhaupt zu den schönsten Dingen im Leben. Ich mag mich dann selbst immer ganz gerne, fühle mich gut dabei.

Eine Kundschaft von heute kam mir in den Sinn. Sie bedankte sich bei mir, weil ich etwas gesucht habe für sie. „Gerne“, sagte ich und wünschte ihr von Herzen ein schönes Wochenende. Wie wohltuend ernst gemeinte Freundlichkeit tut! Wie wichtig doch die kleinsten Kleinigkeiten im Leben sind!

Der Keilrahmen ist nun bunt. Mit einem schwarzen Edding zeichne ich ein Muster hinein. Das Bild gefällt mir.

Es ist zwar alles andere als perfekt, aber das ist mir egal. Es hat mir Spaß gemacht. Es hat gut getan zu malen. Was ist schon perfekt? Was/wer ist schön? Und was/wer ist hässlich? Was ist richtig? Und was ist falsch? Wer erlaubt sich darüber zu urteilen? Ich nicht! Nicht mehr.

Mein trockener Mund verlangt Flüssigkeit. Ich stehe auf und schenke mir klares, kaltes Wasser ein. Mein Blick schweift hinaus. Zum Mond. Bald ist er voll. Aber bis dahin ist noch etwas Zeit. Hoffentlich hab ich bis dahin noch ein paar schlafreiche Nächte vor mir.

Die Unruhe ist verschwunden. Es ist nun Zeit, ins Bett zu gehen.

Good Night, my colorful life. See you tomorrow.

© Kristina Fenninger 2019-10-11

Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Jede*r Autor*in freut sich über Feedback! Registriere dich kostenlos,
um Kristina Fenninger einen Kommentar zu hinterlassen.