Ressource

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Schon seit Tagen habe ich so ein komisches Gefühl. Doch deuten konnte ich es nicht. Heute aber ist mir ein Name dafür eingefallen: Es ist das Gefühl der Unsicherheit.

Wie wird es in Italien weitergehen? Lebt doch meine Schwester dort!

Wie wird es bei uns weitergehen? Durch meine Krebserkrankung bin ich noch mehr zur Optimistin geworden. Klingt vielleicht komisch, ist aber tatsächlich so! Trotzdem ist die jetzige Situation schon irgendwie sehr schräg.

Wird eine Freundschaft, die gerade schwierig ist, zumindest für mich, weiter bestehen bleiben?

Geht es meinem Hund gut? Kümmere ich mich genug um ihn?

Was, wenn die Leukämie zurückkommt? Wird eine ärztliche Versorgung garantiert sein? Wo doch derzeit alles so schwierig ist! Klar, gehe ich nicht davon aus wieder zu erkranken und trotzdem ist der Gedanke da.

Dieses nicht einkaufen gehen dürfen, weil Risikogruppe, dieses ständige aufpassen müssen, damit ich mich ja nicht anstecke, löst negative Gefühle in mir aus. Hab ich doch vor nicht allzu langer Zeit ebenso sehr gut acht geben müssen, mir ja nichts einzufangen. Die Gefühle von damals kommen gerade wieder ganz stark hoch. Nicht schön!

Was, wenn ich am Corona-Virus erkranke? Werde ich ihn gut überstehen? Ist mein Immunsystem wieder stark genug?

Schaue ich gut genug auf mich selbst?

Das alles und noch vieles mehr geht mir derzeit durch den Kopf. Und so überlege ich in meiner derzeitigen Unsicherheit was mir denn Sicherheit gibt in meinem Leben!

Ich ziehe mir meine Laufschuhe an, leine meinen Hund an und los geht's! Zum ersten Mal seit vielen Jahren jogge ich wieder! Das tut sehr gut.

Die Natur, ist die, die mir Sicherheit gibt. Die Sicherheit nämlich das es mir immer guttut, wenn ich mich in ihr bewege. Meine Gedanken werden klarer und wieder positiver. Ich schaffe es mich ein Stück weit von meiner Unsicherheit zu distanzieren und somit aufzutanken.

Ich male fröhliche bunte Bilder. Die Kreativität, meine Ressource!

Ich bin in Kontakt mit meiner Familie und meinen Freunden. Soziale Kontakte, mein Halt!

Ich gehe unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen halbtags arbeiten. Ganz allein bin ich derzeit an meinem Platz. Voller Liebe und Leidenschaft falte ich die Mehlpäckchen zu. Meine Aufgabe! Ich sehe einen Sinn dahinter. In diesen Tagen noch mehr.

Ich höre Musik und singe und tanze. Ich liebe Musik so sehr. Die Musik. Meine große Ressource!

Und ja, ich schreibe, manchmal lustiges (hoffentlich) und manchmal nachdenkliches (vielleicht). Das Schreiben, meine große Leidenschaft.

Und während ich diese Sätze tippe, macht sich ein tiefes Gefühl in mir breit. Nämlich, das Gefühl der inneren Ruhe und Gelassenheit und die Erkenntnis, dass ich das Leben immer von mehreren Seiten betrachten und nicht in den Tunnelblick verfallen will. Doch dürfen auch die negativen Gefühle Platz haben, nur zu groß will ich sie nicht werden lassen.

© Kristina Fenninger