Endlich hab ich ihn gefunden

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Endlich hab ich ihn gefunden | story.one

Seit ich ihn habe, werde ich nicht mehr so von anderen Lebewesen umschwärmt.

Wenn er mir gerade lästig ist, stelle ich ihn in die Ecke. Dort bleibt er dann auch dezent stehen, bis ich ihn wieder hervorhole.

Er nimmt nicht mehr Platz ein als unbedingt nötig. Alles andere wäre ihm auch wirklich unangenehm.

Ich habe einen treuen Kumpel in ihm gefunden. Stets ist er zur Seite, wenn ich ihn brauche.

Wenn er chillen möchte, hänge ich ihn einfach an Schubläden. Etwas abhängen muss ja schließlich auch manchmal sein.

Kennengelernt haben wir uns auf einer Party. Ich habe mich gleich in ihn verguckt. Quasi Liebe auf den ersten Blick.

So einen wie ihn suchte ich schon lange. Leider musste ich dann noch etwas warten, bis er für immer bei mir einziehen wollte. „Nur nicht zu voreilig“, hat er gemeint.

Ich habe das natürlich verstanden und übte mich in Geduld. Schließlich wollte ich es mir nicht vertun mit ihm.

Vor zwei Wochen war es dann aber endlich doch so weit. Er ließ sich dann auch wirklich gar nicht lumpen und hat mir sogar ein kleines Geschenk mitgebracht.

Über seine Essensgewohnheiten wirst du staunen. Da lässt sich wirklich drum streiten. Vielleicht ist er deshalb so grün um die Nase? Macht aber gar nichts. Attraktiv finde ich ihn trotzdem. Gekochtes beliebt ihm so gar nicht. Seine Leibspeisen sind Orangenschalen, Kaffeefilter, Zwetschgenkerne und Teebeutel. Zur Abwechslung vielleicht auch mal ein Kirschkern. Er kommt mir also absolut billig, mein Freund.

Manchmal aber riecht er etwas streng. Das tut aber unserer Beziehung keinen Abbruch. Ich leere ihn halt dann einfach aus. Das geht im übrigen auch ganz leicht. Mit nur einer Hand lässt er sich öffnen.

Wobei, jetzt habe ich auch schon mal überlegt, ob ich ihm nicht einfach mal einen Regenwurm füttere. Dann hab ich vielleicht bald Blumenerde "homemade". Ist ja gar keine so schlechte Idee, oder was meinst du?

Da ich nicht zur Angeberin mutieren und dich auch nicht allzu neidisch machen möchte, höre ich jetzt aber auf zu schwärmen über meinen kleinen feinen Küchenkompost.

© Kristina Fenninger 22.09.2019