Mit der Seilbahn zur Arbeit Teil 2

Haben sie es gewusst,

in La Paz (Bolivien) fährt man seit Jahren mit der Seilbahn zur Arbeit. In den Höhen der Anden hat man sich für die Seilbahn anstelle von U-Bahnen entschieden. Aktuell gibt es 8 Linien, die über die Dächer der Stadt schweben. Faszinierend, die Technik stammt aus Österreich. Dass wir Seilbahnen bauen können, kann jedermann in den Bergen sehen. Es würde mich interessieren, wie viele Tonnen Stahl wir in unserem kleinen Land schon verbaut haben, um Wanderer und Schiläufer auf die Berge zu befördern. Wir haben die Technik und nutzen diese nicht für unseren Nahverkehr. Aktuell ist die längste Seilbahntrasse 30 km lang. Der Charme dieser Technologie für den Nahverkehr liegt darin, dass wenig Grünfläche benötigt wird, wenig Personal, dass das System mit Zutrittsberechtigung "ON DEMAND" funktionieren kann. Daher, ON DEMAND rollt eine Gondel ein und bringt mich ans Ziel. Es gibt Lösungen mit Weichen und wer glaubt, die Gondel sei langsam, den kann ich beruhigen, die aktuelle Geschwindigkeit ist kontinuierlich 18 km/h. Morgen vielleicht auch schon schneller. Die Seilbahn ist damit um ein Vielfaches schneller in den Stoßzeiten, als die Strecke von 17 km von einer Umlandgemeinde an den Stadtrand mit dem Auto zu bewältigen ist. Eine Stunde mit dem Bus ist nicht attraktiv. Wir im Raum Salzburg diskutieren über schienengebundene Fahrzeuge für den Nahverkehr. Das bedeutet wir brauchen viel Grünfläche, Unterführungen, Überführungen, Zusatzwege für die Bauern, deren Felder wir teilen, und nicht zu vergessen die immensen Kosten, welche beim Bau einer neuen schienengebundenen Trasse entstehen. Außerdem unterliegen schienengebundene Fahrzeuge einen gewissen zeitlichen Takt, was wiederum Warten bedeutet und wer wartet schon gerne? Klar, Seilbahnen sind hässlich, oder doch nicht? Wenn es darum geht, Gebiete für den Tourismus zu erschließen, denkt man nicht darüber nach, wie hässlich eine Seilbahn ist. Jedoch wenn es um erschwingliche Infrastruktur geht, die Reduktion von Emissionen, weil viele Menschen nach meiner Einschätzung, vom Auto umsteigen werden, wird jegliche Bürgerinitiative ein derartiges Ansinnen sofort vom Tisch fegen. Da kann ich nur festhalten, es ist großartig, dass andere Länder die Zeichen erkannt haben und auf fortschrittliche Transportlösungen zur und in der Stadt setzen. Es zeigt, dass eine Technologie wie die Seilbahn nicht nur zur alpinen Erschließung geeignet ist, Seilbahnen können in der nahen Zukunft so manches Infrastrukturproblem lösen. So denkt auch die Stadt Köln über den Einsatz einer Seilbahn für den innerstädtischen Nahverkehr nach. Ideen gibt es viele, es fehlt an den Visionen unserer Verantwortlichen.

Daher, staut ihr noch oder wollt ihr die Seilbahn in die Stadt?

VG

KJe

© Kurt Jelinek