Wie ich Kinderliedermacher wurde

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Für die musikalische Gestaltung der Erstkommunionfeier meiner Tochter suchten meine Kollegin und ich die Lieder zusammen. Aber irgendwie wurden wir bei der Suche nach kindgerechten Liedern mit guten Inhalten nicht so richtig fündig. Entweder waren die Texte für Kinder theologisch eine Katastrophe bzw. unverständlich oder die Lieder waren einfach langweilig.

"Kurt, schreib doch selbst was. Bist eh so kreativ.", meinte meine Kollegin. Da musste ich mal scharf nachdenken, wie man sowas überhaupt angeht. Ich nahm den Telefonhörer, rief die Klassenlehrerin an, und bat sie, mir von jedem Kind eine positive Eigenschaft zu nennen. So entstand mein erstes Lied für den Vorstellungsgottesdienst "Kunterbunt ist Gottes Garten", in dem jedes Kind mit Namen und einem Talent vorgestellt wird. Und auch die anderen Lieder für die Erstkommunionfeier folgten bald. Das wär´s auch schon gewesen.

Wenn nicht drei Jahre später, genau diese Kinder zu mir in die Hauptschule gekommen wären und die Lieder immer noch mit Begeisterung sangen. Das war die Zeit, in der der Gesangswettbewerb STARMANIA im österreichischen Fernsehen lief. Die Kinder und auch ich verpassten keine Folge. In der Schule wurde ich dann von den Kindern bombardiert. "Bitte! bitte! Können wir nicht auch in so ein Tonstudio fahren und die Lieder von der Erstkommunion aufnehmen." Und so entstand die erste CD "Probiers einfach". Das wär´s auch schon gewesen.

Wenn da nicht ein paar ReligionslehrerInnen gewesen wären, die mehr davon wollten. Und so entstanden im Laufe der Jahre immer mehr Lieder und CDs. Das wär´s auch schon gewesen.

Wenn da nicht meine Kollegin gewesen wäre: "Kurt, ich brauch ein Weihnachtsmusical." So entstanden Weihnachtsspiele, Kindermusical, Liederbücher, Bilderbücher, Hörbücher, Spiele, Karten usw.

Beim Liederschreiben habe ich meine eigene "Technik". Ich schreibe die Liedertexte beim Joggen. Da habe ich ein Stück Papier und einen Bleistift eingeschoben und notiere mir während ich so dahinlaufe, meine Gedanken. Mal ist es nur ein Refrain, mal eine Strophe. Ich schreibe sozusagen "laufend" Lieder. Dann schleife ich solange am Text herum, bis ich spüre, jetzt stimmt’s. Das ist ein schönes Gefühl. Die Melodie fällt mir meistens gleichzeitig zum Text ein.

Man könnte die Entstehung eines Liedes mit dem Tun eines Bildhauers vergleichen, der an einem Quader herummeißelt und ihn stückchenweise vom überflüssigen Stein befreit, bis das Kunstwerk fertig ist. Das ist manchmal ganz schön anstrengend. "Liedermacher" ist für dieses solide Handwerk genau die passende Bezeichnung.

Momentan habe ich Handwerkerpause. Aber das wird’s wohl nicht gewesen sein?! - ;).

© Kurt Mikula