Michi + sein Leihopa

Kilometerbuch vom DI. 8.05.1990

Kindergarten/ 14., Büro/5., MV Ca./ 4., MV Hel./ 23., Be. LJ./ 14., Be. T. Dr. M. /--Merkur/18:20 Kindergarten. 21.102// 21.319// 217Km

Ein normaler Arbeitstag zeichnet sich ab. Wetter eher bescheiden, kalt und feucht und Angie, meine Lebensgefährtin sehr ruhig.

Michi schon 15 Monate dafür besonders lebhaft. Zuerst der Kampf im Auto, er wollte sich Batu in seinem Kindersitz anschnallen lassen. Seit zwei Monaten hatte ich diese Sitze, war neu in Österreich aber schwer, täglich 2 x ein Kampf. Heute nur mehr mit einem Versprechen war es schließlich Angi gelungen. Dieses mussten nun aber auch eingelöst werden.

Meinen Schreibtischsessel ganz hochgestellt, Michi dort platziert, Telefon in die Hand und Kurzwahl den Schlager des Tages. Die Wiederholtaste wusste er wo diese war, so hatten wir Zeit uns einen Kaffee zu gönnen. Vorläufig war die Welt in Ordnung.

Ich hörte den Anrufbeantworter ab, 4 Interessenten für eine inserierte Eigentumswohnung, Angie erledigte den Posteingang und legte mir 2 Flügelmappen mit Mietverträge vor und 2 Karteikarten Besichtigungstermine, einem Eigentumsmaisonette im 23., und ein Einfamilienhaus im 14. Knödelhütte.

Die Objekte haben sich geändert und auch meine Kleidung musste sich anpassen. Anzug, Hose, Sakko, Gille und Krawatte und an so einem Tag. Braunen Mantel und Schirm sollte die Besichtigung auch mal im freien Sein. In dieser Hinsicht war der alte Herr (war erst 52, aber ein Sonnenanbeter und daher für sein alter schon zu viele Falten), uneinsichtig, ich repräsentiere shchließlich die Firma.

Er wollte das ich Mercedes C-Klasse fahre. Eine AMG-Version mit tiefergelegtem Sportfahrwerk, Leichtmetallrädern im AMG-Design, mit der Werbeschrift des Unternehmens.

Machte ich, obwohl ich kein gutes Gefühl dabei hatte, als er mir den Katalog zeigte, den Wagen den er bestellt, mich so vor eine Tatsache stellte.

Habe ich doch schon alles einmal erlebt? In der Blumenbranche? Mir der Chef den BMW seiner Frau zu Verfügung stellte?

Und an diesem Tag, meine Schulbildung das Thema war. Nur Hauptschulabschluss und Gesellenbrief, Gewerbeschein Groß – und Kleinhandel waren aller Art, aber der Personalchef wollte zumindest eine Matura für diesem Platz. Es gab auch, eine AG und mehrere GesmbH und über 3000 Mitarbeiter.

Wir waren hier die Firmenzentrale und ich gehörte dazu.

Natürlich zählte das Wort des Firmengründers und auf seine berühmte goldene Nase und Menschenkenntnis sowieso.

Er spielte sich auch immer wieder gerne mit Michael, lag öfter am Nachmittag auf einer Decke und ließ Michi z. B. verschieden förmige Bausteine durch die dafür passende Öffnungen schmeißen. Er ging mit ihm einkaufen, setzte sich mit ihm hinter das Lenkrad und fuhr im Hof hin und Herr.

Angi ihn einmal darauf ansprach, er nur sagte, dass er bei seinem beiden Söhne keine Zeit gehabt hätte, für ihre ersten Schritte, ersten Weg allein am Rad und viel mehr.

Michi hatte einen Opa.

© L-Witsch