A Story a Day...

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A Story a Day... | story.one

Ist Schreiben eine Medizin, ist es ein Heilmittel, kann es uns wirklich den Arzt vom Leibe halten? Ersetzt es als eine Art der Selbstanalyse eine Therapie?

Wer schreibt denn überhaupt? Wer sind denn diese Menschen, die hier auf Story.one schreiben? Manche von ihnen schreiben professionell und sagen das auch. Sie nützen die Plattform, um Werbung für ihre Bücher zu machen. Manche schreiben, weil sie sich gerne sprachlich ausdrücken und schauen, wie es aussieht, wenn eine Geschichte, die man mitteilen will, dann tatsächlich in Worte gegossen ist. Andere wiederum haben unglaublich viel erlebt und fühlen das Bedürfnis, andere daran teilhaben oder sich gar ein bisschen beneiden zu lassen.

Und bei einigen habe ich den Eindruck, dass sie im Schreiben tatsächlich so etwas wie Heil suchen, so etwas wie Heilung oder zumindest Linderung. Die Offenheit ist oft direkt erschreckend, und ich denke mir, dass ich es nie übers Herz bringen würde, so intime Dinge von mir zu erzählen. Hilft das den Betroffenen, werden Depressionen aufgehellt, vergisst man körperliche Schmerzen während des Denk- und Schreibprozesses? Sind Probleme kleiner, wenn man einen Teil von ihnen aufs Papier (oder besser den Bildschirm) geworfen hat, sodass man sie vor sich liegen hat und besser betrachten kann?

Die Gründe zu schreiben oder speziell hier zu schreiben sind letzten Endes so vielfältig wie die Schreiber selbst und haben alle ihre Berechtigung. Und da kann ich mich natürlich auch nicht vor der Frage drücken, warum ich hier schreibe.

Als Therapie ist es nicht gedacht, denn ich glaube nicht, dass ich viel Therapie brauche. Aber es verschafft ein gutes Gefühl, wieder ein Ganzes vor sich zu sehen und dadurch etwas für sich selbst zu präzisieren, denn das Verwenden von Worten gibt Klarheit und Struktur. Es ist doch so etwas wie ein winzig kleines Werk, das man zuerst schaffen, für sich selbst gut heißen und dann freigeben muss zum Flug hinaus in die Welt.

Sehr bald habe ich für mich festgelegt, dass ich eine Geschichte pro Tag veröffentlichen möchte, solange mir eben etwas einfällt. Das diszipliniert mich, denn ich neige dazu, Dinge kurze Zeit sehr exzessiv zu betreiben und dann von heute auf morgen völlig fallen zu lassen. Die Regelmäßigkeit tut mir gut und die Angst, dass mir in kurzer Zeit die Themen ausgehen werden, ist mittlerweile gewichen. Die Ideen sind viel zahlreicher, als ich je gedacht hätte. Dinge aus meiner Vergangenheit, an die ich schon jahrelang nicht mehr gedacht habe, fallen mir plötzlich ein, anderes wird klarer und verständlicher, wenn ich es in Worte fassen muss.

So bin ich durch das Nachdenken über so manche Episode aus meinem Leben oder dem Leben von Menschen in meiner Umgebung schon manchmal so weit gekommen, dass ich Dinge anders sehe, auch differenzierter vielleicht. Und so kann es vielleicht ein wenig zum Wohlbefinden beitragen, denn bei näherer Betrachtung habe ich so mit einigen Ereignissen und Menschen direkt meinen Frieden gemacht.

© LaDameCoeurFlip