Eindringlinge

  • 73
Eindringlinge | story.one

In der Khevenhüllerstraße gibt es eine schon seit Jahrzehnten leer stehende alte Villa. Meine Freundin M. und ich standen bei einem Spaziergang wieder einmal davor und bemerkten, dass das Gartentor diesmal halb offen stand. Ein rascher Blick in die Umgebung genügte, es war kein Mensch zu sehen, und so schlüpften wir hinein und gruben uns durchs Gebüsch über einen fast unsichtbaren Weg bis an die Rückseite des Hauses zum Eingang.

Zu unserem Erstaunen war die Tür unversperrt. Damit hatten wir gar nicht gerechnet, wir hatten nur vorgehabt, uns auf dem Grundstück ein wenig umzusehen. Aber jetzt waren wir schon so weit gekommen, also beschlossen wir, es zu wagen und das Haus zu betreten.

Drinnen war es schmutzig, es gab keine Möbel, roch aber recht feucht. Die Tür in die Räume des Parterres war allerdings versperrt, aber da lockte jetzt die Treppe ins Obergeschoß. Mauerputz lag auf den Stufen und die ganze Konstruktion wirkte so wenig vertrauenerweckend, dass wir es besser fanden, die Treppe nicht gleichzeitig zu benützen. Wäre etwas passiert, so hätte die andere Hilfe holen können.

Die Treppe hielt aber, und außer ein paar Spinnweben im Haar geschah uns nichts. Oben standen wir in einem großen Vorzimmer, von dem eine gläserne Doppeltür in den straßenseitig gelegenen Salon führte. Und diese Tür war unversperrt. Im Salon standen noch ein paar verstaubte Kommoden und Sessel, und rechts und links führten weitere Glastüren jeweils in weitere Zimmer. Wir gingen zu der linken Tür und sahen durch das Glas zu unserem Schrecken, dass der Fußboden eingebrochen war und man bis ins Parterre hinunter sehen konnte.

Wir traten sofort den Rückzug zur Treppe an, sahen aber, dass die Tür in einen gartenseitigen Anbau, der offenbar jüngeren Datums war, offenstand, und da wir ja gerade unseren mutigen Tag hatten, schauten wir dort auch noch hinein. Da sahen wir aber Spuren, die eindeutig auf Hausbewohner hinwiesen.

In einer Ecke war eine Art Matratzenlager, Kleidungsstücke modernerer Art lagen herum, auf dem Tisch stand schmutziges Geschirr. Ein Teebeutel war benützt und schon trocken auf einer Untertasse, eine Plastikdose enthielt noch etwas Margarine. Es konnte nicht sehr lange her sein, dass hier jemand gewesen war. Hatten Obdachlose Unterschlupf gesucht? Vorsichtig schauten wir noch in den nächsten Raum, aber auch da war niemand. Darüber waren wir richtig froh, denn auf unerwartete Begegnungen waren wir wirklich nicht aus.

Wir traten den Rückzug an, schauten aber, weil wir schon einmal da waren, noch in ein flaches Holzhaus im Garten, das vor mindestens 50 Jahren anscheinend einmal ein Heuriger gewesen war. Es gab noch Bänke und Tische, eine Tafel, worauf Preise für Wein und Speisen vermerkt waren, und ein paar schmutzige Tonkrüge.

Kichernd und sehr befriedigt über unseren Mut und unser kleines Abenteuer schlichen wir uns wieder hinaus auf die Straße. War das juristisch gesehen eigentlich eine Straftat, etwa Hausfriedensbruch oder so?

© LaDameCoeurFlip