Garantiert Fake?

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Garantiert Fake? | story.one

Alles wird gefälscht. Nachrichten, Fotos, Profile in den sozialen Medien. Und natürlich Waren aller Art, und das nicht erst, seit es das Internet gibt.

Da man den Fakes ohnehin nicht mehr entkommt, beschloss ich einmal dorthin zu gehen, wo man direkt zugibt, dass es sich um Fälschungen handelt, nämlich ins Wiener Fälschermuseum. Das ist ein kleines Privatmuseum direkt gegenüber dem Hundertwasser-Haus. Doch während sich im Hundertwasser-Haus die asiatischen Reisegruppen gegenseitig auf die Füße steigen, war ich im Fälschermuseum an einem Samstag ganz allein.

Das Thema hier sind allerdings nur Kunstfälschungen, hauptsächlich gefälschte Bilder. Das Museum ist klein, eigentlich nur ein einziger großer Raum im Souterrain, aber sehr informativ. Man erfährt von den verschiedenen Arten der Fälschungen, jeweils mit Beispielen, und auch von den berühmten Fälschern, die es teilweise bis zum Medienstar geschafft haben wie der inzwischen sattsam bekannte Wolfgang Beltracchi. Einem hat es allerdings nicht so gut getan, dass er seine Fälscherpraktiken in einem unglaublich faszinierenden Buch, das ich schon vor vielen Jahren einmal gelesen habe, preisgegeben hat, denn Eric Hebborn wurde kurz nach Erscheinen des Buches ermordet. Der Mord ist bis heute ungeklärt.

Leicht erschüttert haben mich allerdings die Aussagen von Kennern der Kunstfälscherszene, dass schätzungswiese 40 bis 60% aller auf dem Markt befindlichen Kunstwerke, speziell bei Bildern, ihrer Meinung nach Fälschungen sind. Das erscheint mir unglaublich hoch, aber ich muss es jetzt einmal so hinnehmen. Ich habe nämlich selbst viele Bilder, nichts besonders Wertvolles, aber immerhin weit mehr, als ich bräuchte, um meine Wände zu dekorieren. Ob Fälschungen dabei sind und wie viele, weiß ich nicht und will es auch gar nicht ergründen. Ich frage mich nur, wie es sich auszahlen soll, Bilder im Wert von nur ein paar hundert Euro zu fälschen. Aber gut, da ich ohnehin nicht vorhabe noch in den Kunsthandel einzusteigen, ist es egal, solange mir die Bilder gefallen. Und ich kaufe nur Bilder, die mir gefallen, ich schiele nicht nach Preissteigerungen.

In einer Welt, die ohnehin bald nur mehr virtuell sein wird, ist der Begriff der Fälschung in der heutigen Form zunehmend obsolet. Also kann man ja genau so gut gleich zugeben, dass alles falsch ist, so wie ich es in der Türkei einmal sehr anschaulich erlebte.

Wenn man die archäologische Zone in Ephesos beim unteren Ausgang verlässt, gelangt man in eine Ladenstraße mit allem, was das Touristenherz begehrt. Und da hängt tatsächlich über einem Geschäft mit Handtaschen im Angebot ein riesiges gedrucktes und fix montiertes Schild mit der deutschen Aufschrift "Garantiert echte Fälschungen", darunter steht etwas in Türkisch, vermutlich die Übersetzung. Nun hätte ohnehin niemand angenommen, dass die Gucci- und Pradahandtaschen echt sind, aber das so deutlich hinzuschreiben, ist schon dreist, aber zumindest ehrlich.

© LaDameCoeurFlip