Verschoben und verrückt

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Verschoben und verrückt | story.one

Es verschiebt sich gerade sehr viel in unser aller Leben. Wohin es uns schiebt und wo wir dann am Ende stehen werden, das wird sich zeigen, denn wir wissen es nicht. Wir wissen nicht, was es mit uns machen wird, wir können nur vermuten. Aber wir alle werden dann woanders stehen als noch vor ein paar Wochen oder Monaten.

Im Augenblick befinden wir uns noch in jenem Stadium, wo wir uns wünschen, das alles solle möglichst schnell vorbei gehen, damit wieder Alltag und Normalität einkehren kann. Man wünscht sich, das alles möge keine allzu schlimmen Spuren hinterlassen, nicht in der Geldbörse und nicht in der Seele, sondern nur Gutes bewirken. Man wünscht, man möge sich daran einmal erinnern als an etwas zwar Unangenehmes, aber vielleicht auch Kurioses, von dem man Geschichten erzählen kann, etwas, worüber man Romane schreiben wird und sicher viele wissenschaftliche Arbeiten.

Aber verändern wird es uns ganz sicher, und das für den Rest unseres Lebens. Und möglicherweise werden wir den einen oder anderen Aspekt sogar so gut finden, dass wir gar nicht an unseren gewohnten und so bequemen Platz zurückkehren wollen. Vielleicht werden wir uns wohl fühlen dort, wohin uns diese Ereignisse verrückt haben, mag es im realen Leben sein, weil sich berufliche oder private Veränderungen ergeben, oder auch in unserem inneren Leben. Zumindest hoffen wir das.

Wir alle haben immer unsere schönen Pläne und malen uns Dinge aus, wie wir sie wünschen, wie sie sein sollen und wie wir sie uns gar nicht anders vorstellen können, aber plötzlich kommt etwas Unerwartetes und wir stehen woanders. Und vielleicht gefällt es uns dort besser, weil wir von dort aus andere Dinge sehen als von unserem alten Standpunkt. Die Aussicht ist anders, die Perspektive, das Licht, alles ist verschoben und verrückt in jedem Sinn des Wortes. Vielleicht wollen wir verrückt bleiben!

Ich selbst habe bereits ganz bewusst etwas verschoben, nämlich meinen Abschied von Story.one. Ich habe ihn schon mehrmals verschoben, das muss ich gestehen, und ein wunderschöner Abschiedsbrief ruht seinen vielen Wochen in meinem Entwürfe-Ordner. Zuerst war er als 100. Veröffentlichung vorgesehen, dann wurde er immer weiter verschoben, weil mir unerwartet viele Geschichten einfielen und ich sehr große Freude am Schreiben gefunden habe.

Doch derzeit scheint es mir keine Option zu sein, mich zu verabschieden, denn in Krisenzeiten soll man nicht mutwillig auseinander gehen. Möglicherweise brauche ich das Schreiben und Veröffentlichen noch, auch wenn ich momentan für mein ganz persönliches Leben nur eher wenig Veränderungen und Einschränkungen sehe, aber da kann man sich auch täuschen. Da treten andere Dinge, die für ein Ende meiner Veröffentlichungen sprechen, erst einmal in den Hintergrund. Denn Story.one ist perfekt für die augenblickliche Lage, denn es überträgt keinen krankmachenden Virus, aber es kann uns alle anstecken mit dem, was wir jetzt besonders nötig brauchen: Resilienz.

© LaDameCoeurFlip