Einreise mit Hindernissen

Seit über einem Jahr arbeitete ich nun in New York. Da jedoch meine Familie in Wien war, pendelte ich ständig zwischen diesen beiden Städten hin und her.

Wieder einmal kam ich gegen Mitternacht an und reihte mich geduldig in die Reihe der Einreisenden. Die Prozedur kannte ich ja mittlerweile gut. Die Beamtin grüßte kurz und freundlich. Ihre Mine änderte sich jedoch in Bruchteilen von Sekunden als sie einen Blick in den Computer warf. Schlagartig verwandelte sich die freundliche Dame in eine Person, die mich am liebsten mit Blicken getötet hätte.

Mit eisiger Mine forderte sie mich auf, sie hinter die Glaswand zu begleiten. Zu diesem Zeitpunkt blieb ich noch ganz gelassen, denn ich war mir keines Vergehens bewusst.

Kurz darauf erschien ein - sehr finster wirkender - Officer, musterte mich von oben bis unten und verschwand wieder. Das Selbe wiederholte sich einige Zeit später. Diesmal mit einem anderen Officer. Als ich fragen wollte, was denn los sei, belehrte er mich, dass ich nicht diejenige sei, die hier Fragen stellen durfte.

Langsam wurde ich unruhig. Als man Stempelkissen, eine Kamera und eine Leinwand brachte, war es mit meiner Gelassenheit vorbei.

Genau in dem Moment kam der erste Officer wieder. Äußerst freundlich entschuldigte er sich vielmals, reichte mir meinem Pass und begleitete mich sogar zu meinem Gepäck.

Da alles gut gegangen war, machte ich mir keine weiteren Gedanken über die Angelegenheit.

Einige Wochen später spielte sich bei der Einreise dieselbe Szene ab.

Bei meiner dritten Einreise wagte ich es dann doch, den Officer nach der Ursache für die Umstände zu fragen. Des Rätsels Lösung: Es gab eine gesuchte Deutsche, die nicht nur meinen - damals noch sehr unkomplizierten - Namen trug, sondern deren Augenfarbe und Körpergröße mit meinen Daten übereinstimmten. Erst wenn die Nachforschungen ergaben, dass wir zwar auch das Geburtsdatum, nicht aber den Geburtsort gemein hatten, wurde mir die Einreise genehmigt.

Um bei meiner nächsten Einreise alle Missverständnisse schon im Vorfeld auszuschalten, gab mir das College, in dem ich arbeitete, eine amtliche Bescheinigung mit, die bestätigte, wer ich war.

Bei meiner folgenden Ankunft freute ich mich schon darauf, dieses Dokument vorzuweisen - doch leider brauchte ich sie nicht, denn die deutsche Missetäterin war offenbar in der Zwischenzeit gefasst worden.

© Ladylord