Ende gut - alles gut

"Heute werden wir den heißesten Tag dieses Jahres erleben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie ihn in einem Freibad oder an einem kühlen Ort verbringen können." Was ich da im Radio hörte, machte mich nicht gerade glücklich, denn ich bin absolut keine Freundin von hohen Temperaturen.

Ja, für mich gibt es einen kühlen Ort, an dem sogar die heißesten Tage durchaus erträglich sind. Mein Mann und ich verbringen nämlich den Großteil des Sommers n unserem Sommerhaus am Stadtrand von Wien. Da wir unser "Paradiso" nur ungern verlassen, bemühen wir uns immer, möglichst viele Termine auf einen Tag zu legen. Meist handelt es sich um Erledigungen, die schon im Voraus terminisiert werden mussten.

Und ausgerechnet dieser heißeste Tag war solche in "To Do Tag".

Gleich der erste Termin verzögerte sich, und löste eine Kettenreaktion aus, die schon ohne hohe Temperaturen schweißtreibend gewesen wäre. Der letzte Punkt der Tagesordnung war eine Besorgung im Baumarkt. Davor mussten wir aber noch einen Bankomat finden, denn der Punkt "Geld abheben", der schon an zweiter Stelle gestanden hatte, war noch unerledigt.

Die Zeit drängte, und als wir endlich einen Bankomaten entdeckten, war weit und breit kein Parkplatz zu finden. Mein Mann entschloss sich also in zweiter Spur zu halten. Ich mobilisierte die letzten mir noch verbliebenen Kräfte, hob in Windeseile 400 Euro ab und hetzte zurück zum Auto. Hinter uns hupte bereits ein LKW, und so fuhr mein Mann los noch bevor ich angegurtet war. Während ich mit der rechten Hand den Gurt befestigte, legte ich die Bankomatkarte und das Geld …. Ich weiß nicht mehr, wohin.

Eine halbe Stunde vor Geschäftsschluss parkten wir in der Tiefgarage. Geschafft! Unserem Einkauf stand nichts mehr im Wege - oder doch? Der Rasenmäher, den wir bestellt hatten, war noch nicht geliefert. Damit die Hetzerei doch nicht ganz sinnlos war, kauften wir ein paar Kleinigkeiten - wer geht schon mit leeren Händen aus dem Baumarkt? An der Kassa bemerkten wir mit Schrecken, dass weder mein Mann noch ich irgendetwas über den Verbleib des Geldes und der Bankomatkarte wussten.

Ich fühlte mich schuldig, doch das half uns im Moment auch nicht weiter. Die Laune war am Tiefpunkt. "Geld verloren, nix verloren.", pflegte meine Oma immer zu sagen. Ok, aber die Bankomatkarte war ja auch weg! Was war zu tun? Wo musste ich den Verlust melden? Hatten wir die Nummer irgendwo notiert? Bevor ich vollends in Panik verfiel, meldete sich eine leise Stimme in mir, die mich doch ein wenig beruhigte. "Vielleicht befinden sich die verlorenen Schätze ja im Auto?" - Nein, dort waren sie nicht. Sie waren nämlich VOR dem Auto. Neben dem Wagen lagen auf dem Betonboden fein säuberlich nebeneinander die vier Scheine und die Karte wartete auf dem Autositz auf uns!

Wie viele Schutzengel waren wohl damit beschäftigt gewesen während unserer Abwesenheit um das Auto zu kreisen und das Geld zu bewachen?

© Ladylord