Bär- Wolf- Schaf- Ziege- HUND

Auf unserer langen Autofahrt von Minto nach Dawson- City über den Klondike Highway passierte so Einiges. In unserem Auto saßen meine Eltern, mein Cousin und seine Freundin. Die Landschaft, die am Fenster vorbei zog, war atemberaubend und die Tierwelt sollte es auch noch werden.

Nach den ersten zehn Minuten mussten wir scharf abbremsen um ein dahergelaufenes Stachelschwein zu verschonen, das gerade dabei war, gemütlich über die Straße zu trotten. Als es uns sah, fing das Tier zu unserer Belustigung zu hoppeln an und verschwand im nahen Gebüsch.

Weiter ging die Fahrt, durch dichte Wälder und weite Ebenen. Nach geraumer Zeit bremsten wir abermals scharf ab, wir hatten einen Bären gesichtet. Ein Grizzlybär mit einem Jungen ging in ca. 10-20 Metern Abstand in einem Grünbereich zwischen dem Highway und dem Wald. Mein Cousin, ein leidenschaftlicher Naturfotograf, zückte sofort seine Kamera und ließ das Fenster herunter. So nah' hatten wir Grizzlybären in freier Wildbahn noch nie gesehen! Wir waren unglaublich fasziniert und angetan von dem Anblick von Mamabär und Sohn. Aber nicht lange. Als die Grizzlys von uns Notiz genommen hatten verschwanden sie schnell im nahen Dickicht und waren nicht mehr zu sehen. Wir warteten noch kurz ob die Bärin noch einmal auftauchen würde und das tat sie...

Ohne Vorwarnung brach die Bärin durch das Dickicht und jagte auf unser Auto zu. In Panik riefen wir meinem Papa zu: "Gib Gas!", "Schnell, fahr schon!", "loooos!" und das tat er dann zum Glück auch. Die Bärin bremste ab und blieb zurück. Anscheinend hatte sie ihr Junges in den Schutz des Waldes begleitet und wollte uns dann attackieren. Jetzt im Nachhinein wissen wir natürlich nicht ob der Angriff nur eine Scheinattacke war, oder ob es die Bärin ernst meinte...

Nach diesem Erlebnis wollte keiner aus unserem Auto mehr aussteigen, doch bei der nächsten kleinen Raststätte (die auf kanadischen Highways nicht mehr als eine menschenleere geschotterte Fläche ist) ließ sich das Aussteigen nicht mehr vermeiden, weil einige von uns dringend etwas verrichten mussten, was man eben so verrichten muss. Wir hielten an, warteten auf das zweite Auto unserer Gruppe und erzählten ihnen gleich von unserem aufregenden Erlebnis. Das war vielleicht ein Fehler, da die anderen nun auch nervös wurden.

So kam es, dass nach ein paar Minuten Aufenthalt auf diesem Parkplatz jemand rief: "Ein Bär!" Was als nächstes geschah hätte man direkt aufnehmen müssen! Alle rannten Hals über Kopf in die Autos, als wäre es ein lang eingeübter Notfallplan gewesen. Die Türen schlugen zu und wir starrten aus dem Fenster. Doch war das ein Bär? "Das ist ein Wolf!", rief jemand von uns. "Nein eine Ziege!", "ein Schaf" nein "EIN HUND!!!" unser Erstaunen war groß! Das, was wir in unserer Aufregung zuerst für einen Bären gehalten hatten, war in Wirklichkeit nicht weiter, als ein harmloser, alter Streuner, der jetzt auf den Parkplatz getrottet kam.

Wir mussten über uns selbst lachen und fuhren weiter.

© Lars Baderer