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Regentag am Yukon

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Regentag am Yukon | story.one

Auf unserer einwöchigen Paddeltour am Yukon, von Lower Laberge nach Minto, erlebten wir so Einiges. Heute möchte ich euch von einem sehr "lustigen" Tag erzählen.

Der Tag begann mit einem unsanften Weckruf: "Lars! Raus aus dem Zelt, schnell alles raus, das ganze Zelt schwimmt!" Im strömenden Regen rannten wir zwischen Zelt und einer aufgespannten Plane hin und her, um unser weniges Hab und Gut, das wir im Zelt aufbewahrten, ins Trockene zu bringen. Diese Arbeit hätten wir uns eigentlich sparen können, denn die Schlafsäcke und Isomatten waren vom Wasser so durchweicht, dass wir uns wunderten, nicht schon ertrunken zu sein.

Ja, so ein Zelt sollte man halt nicht in einer schön wassersammelnden Kuhle im Boden aufbauen... weiteres hatten wir auch noch die glorreiche Idee gehabt, unser Zelt auf einer Plane aufzubauen, die uns vor der Feuchtigkeit des Bodens schützen sollte. Wir hatten nur nicht bedacht, dass so eine Plane, wenn sie an den Rändern einige Zentimeter unter dem Zelt hervorsteht, das Regenwasser sammelt und auch noch verhindert, dass es im Boden versickern kann. -Anfängerfehler!

Nachdem der Rest des Lagers erwacht war und es einige derbe Beschwerden über das Wetter gegeben hatte, wurde in trister Stimmung gefrühstückt und das Lager abgebrochen. Paddeln würde wohl heute nicht so lustig werden, aber es half ja nichts, denn unser Proviant war rationiert und die nächste Zivilisation würden wir erst in drei Tagen Paddelzeit vorfinden.

Die Boote wurden bepackt, wir stachen in Fluss und versuchten uns so gut wie möglich mit Planen zu bedecken, um uns vor dem Regen zu schützen und warmzuhalten. Doch nach einer Weile wurde es kalt, trocken waren wir trotz Plane beim besten Willen nicht mehr und die Finger, ständig an den kalten Paddelgriffen, wurden taub. Ich konnte nicht mehr und mein Papa steuerte das Kanu ohne meine Hilfe weiter.- Danke!

Ich wurde in eine Plane gewickelt, gerade so dass nur noch mein Kopf rausschaute. Wir fanden das recht amüsant, sofern wir noch irgendetwas lustig fanden, denn ich musste irgendwie ausgesehen haben wie eine zu groß geratene Schildkröte in blauem Panzer.

Nach einer Weile hielt meine Cousine, aus welchem Grund auch immer, die Hand in den Fluss und stieß einen überraschten Schrei aus: "Leute, das Wasser ist warm!" Wir lachten kläglich beim Gedanken an eine warme Badewanne, bis ich meine Hand auch in den Yukon hielt. Tatsächlich! Das Wasser war lauwarm. Doch wie war das möglich? Anscheinend waren wir schon leicht unterkühlt, sodass uns der sonst eiskalte Yukon angenehm warm vorkam.

Nach sechzig langen Kilometern paddeln kamen wir endlich an unserem heutigen Camp "Little Salmon" an. Es hatte aufgehört zu regnen, doch uns allen war schleierhaft, wie es mein Onkel -der Hero des Tages- schaffte, aus dem nassen Holz in wenigen Minuten ein schönes knisterndes Feuer zu machen. Wir hängten unser Gewand zum Trocknen auf und waren froh, als uns am nächsten Tag die Sonne ins Zelt lachte.

© Lars Baderer 14.02.2020

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