Der Sprung

Immer aufwärts. So kann ich meinen beruflichen Werdegang in zwei Worten beschreiben. Zwischen dem Beginn meiner beruflichen Laufbahn mit 20 Jahren und heute liegen 17 Jahre. Am Anfang dieser Zeit war ich fokussiert auf drei Punkte: Titel, Gehalt und dadurch gesellschaftliches Ansehen. Das Leben rauschte schnell an mir vorbei. Ich konnte mir vieles leisten, habe viel erlebt - intensiv und ausschweifend. Ständig neue und oberflächliche Bekanntschaften. Während ich dies nun so klar schreibe, war es aus heutiger Sicht eine traurige Zeit. Eine Zeit in der ich jemanden gespielt habe. Eine Kunstfigur! Eine einsame Figur. Eine Figur die etwas darstellte, in dem Gedanken, dass sie nur so akzeptiert wird. Die Richtung war jedoch immer klar: Aufwärts und immer mehr! Nun 17 Jahre später stehe ich recht oben an der Spitze. Ich habe jedoch meine berufliche Karriere unterbrochen. Gekündigt. Ein Gefühl des Fallens von der Spitze. 17 Jahre später steht hier eine Figur die weitaus klarer im Kopf ist. Die sich stark und schwach zugleich fühlt. Ich merke, das es ein Mensch war, der seinen Job gekündigt hat, keine Kunstfigur. Eine Entscheidung die mehr als schwer war. Eine Entscheidung die zu finanziellen einbrüchen, zu unsicherheiten und ängstlichen Stunden geführt hat. Es gab jedoch keine andere Möglichkeit. Mein Körper hat mir den Weg gewiesen und ich habe auf ihn gehört. Richtig oder Falsch? Ich weiss es nicht. Über die Jahre hinweg wurde ich mir über meine Werte bewusst. Ich wurde klar darüber, was im Leben zählt. Wie Glück aussieht. Ehemann zu sein und Vater zu werden stellen das Leben vollkommen auf den Kopf. Es dauert nicht lange bis fundamentale Fragen ihren Raum beanspruchen: Wie will ich weiterleben? Kann ich solch einen Job an der hart erarbeiteten Spitze noch die nächsten 30 Jahre machen? Geht dies ohne große Opfer zu bringen? Werde ich meiner Familie gerecht? Wie gehe ich damit um, das mir mein Körper eindeutige Signale sendet? Ich bin gesprungen und befinde mich nun in einer Art freien Fall. Es geht nun erst einmal darum eine Leere zu sehen, diese anzunehmen und sie auszuhalten. Auf einmal stehst du da: Ohne Gehalt, ohne Firmenwagen, ohne Titel ohne Spesenkonto und ohne das scheinbare gesellschaftliche Ansehen. Du stehst da, allein vor dir und mit dem was bleibt. Die Frage nun langsam zu beantworten: Was bin ich ausserhalb meines Jobs? Ein hartes unterfangen.

Die Reise habe ich nun begonnen. Ich weiss das diese Reise einige Menschen vor mir bereits angetreten haben. Es ist jedoch immer individuell. Um an den Anfang der Geschichte zurückzugehen und zu beantworten, warum die Figur von damals eine traurige aus heutiger Sicht war. Diese klare Entscheidung habe ich getroffen, keine künstliche Figur. Diese Entscheidung ressoniert mit meinem tiefsten inneren. Ich spüre sie: in Freude, in Angst in Trauer und in Unsicherheit. Alles schwankend und nie konstant. Ich spüre annähernd mein Selbst! Die Reise nimmt nun Fahrt auf.

Der Sprung.

© Leander