Was für eine unheimliche Nacht

Es ist eine dieser seltenen, lauen Sommernächte, wir genießen den Abend im Garten unseres Hauses, das direkt an der Salzach liegt. Eine leichte Abendbrise weht flussabwärts und verschafft Abkühlung. Erst sehr spät gehen mein Mann und ich ins Bett und fallen schnell in einen tiefen Schlaf.

Auf einmal höre ich ein Klopfen, erst ein zwei Male, dann öfter, es wird schneller und lauter. Da es nicht aufhört will ich aufstehen, um zu nachzusehen, wer so spät noch an der Tür ist. Ich versuche mit aller Kraft meinen Oberkörper hochzubekommen, meine Arme und Beine zu bewegen, aber es geht nicht. Mein ganzer Körper ist wie gelähmt. Ich will hoch, immer wieder versuche ich es mit höchster Anstrengung. Schweißgebadet und heftig atmend wache ich auf. Ich zittere am ganzen Körper. Im ersten Moment weiß ich nicht wo ich bin. Gottseidank, nur ein Traum! Das Klopfen, habe ich wahrscheinlich auch nur geträumt ... etwas verstört aber unglaublich erleichtert finde ich wieder in den Schlaf, aber es ist ein unruhiges Hin- und Hergewälze.

Kurze Zeit später höre ich wieder etwas. Diesmal ist das Klopfen lauter, noch impulsiver als zuvor, als ich gedacht hatte nur zu träumen. Ich schrecke auf! Werde ich jetzt verrückt? Also beschließe ich diesmal nachzusehen und schleiche langsam über die Treppe hinunter zur Eingangstür um meinen Mann nicht zu wecken. Durch das Fenster sieht man niemanden außer den stockdunklen Garten. Alles still. Vorsichtig und mit Herzklopfen, das bis in meinen Kopf hämmert, öffne ich die Haustüre und spähe hinaus. Nichts! Das gibts doch nicht, denk ich mir. Ein schlechter Streich? Verärgert leg‘ ich mich wieder schlafen. Kurze Zeit später beginnt es erneut zu klopfen, diesmal sehr laut und schnell, hämmernd. Ich spüre, dass jemand unheimliche Angst haben muss - Todesangst . Nun klingelt auch noch unsere Hausglocke. Ich sitze kerzengerade im Bett, mein Puls rast, ich spüre Beklemmung in mir hochsteigen und kann kaum noch atmen. Mein Mann ist mittlerweile auch wach, weil er meine Unruhe bemerkt hat. Ich erzähle ihm rasch die Ereignisse und er geht mit mir gemeinsam hinunter, sogar eine Runde ums Haus drehen wir zur Sicherheit. Keine Menschenseele! Halbwegs beruhigt aber ziemlich verstört gehen wir wieder zu Bett. Plötzlich - Licht - es wird ganz hell in unserem Schlafzimmer. Es sind Lichter von draußen. Was ist denn nun wieder los ? Blaulicht, die Wasserrettung. Sie suchen den Fluss ab. Immer wieder rauf und runter, rauf und runter. Als es endlich ruhig wird und die Lichter weg sind schlafe ich völlig gerädert ein. Den ganzen nächsten Tag bin ich total neben der Spur. Eineinhalb Tage später ruft mich mein Mann aufgeregt von der Arbeit an. Genau seit dieser Nacht, in der ich all das geträumt hatte, wird ein Mann vermisst. Zuletzt wurde er auf der Staatsbrücke gesehen. Ein Schauer rinnt mir über Rücken. Auch heute noch.

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