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Carinchens Welt: Bremsung mit Gefühl

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Carinchens Welt: Bremsung mit Gefühl | story.one

Eine weitere arbeitsintensive Zeit liegt hinter mir. Solche Phasen stehen ja periodisch an, in dem, was ich tue. Doch dieses Mal sehe ich zufrieden auf mein Handeln zurück. Ich hab es endlich geschafft, nicht nur der schwierigen Aufgabe, sondern auch mir selbst gegenüber gerecht zu werden.

In den letzten Jahren versuchte ich immer wieder neue Wege zu gehen, um den mördermäßigen Stress in solchen Phasen besser zu überstehen. Viele Wege hab ich versucht, doch erst dieses Mal scheine ich jenen Weg gefunden zu haben, der nicht in einer Sackgasse endet. Ein Weg mit Geschwindigkeitsbeschränkungen, aber ohne Umkehrnotwendigkeit.

Normalerweise bin ich nach solchen Phasen immer total kaputt, in jeder Hinsicht. Da tut mir dann alles weh, der Körper, mein Denken, und meine Seele irrt planlos umher, als wär sie blind und taub. Dieses Mal bin ich zwar auch arg angeschlagen, weil Wunder passieren dann ja doch eher selten. Aber es hält sich in Grenzen. Zwar fühlt sich mein Körper an, als hätte er einen Marathon hinter sich und ist mein Denken immer noch damit beschäftigt, abzubremsen. Aber da ist auch ein Wohlgefühl, zart wie eine Knospe, die gerade dabei ist zu erblühen. Ein Wohlgefühl, genährt aus Zufriedenheit und Stolz über das Geleistete, das stärker ist, als das Weh.

Ich ließ mich dieses Mal also auf die Aufgabe ein, ohne mich dabei selbst aus den Augen zu verlieren. Das neue Zeitmanagement, das ich mir selbst auferlegte, bewirkte dieses kleine Wunder. Bewusst fuhr ich die Arbeitsintensität hoch, täglich prüfend, welches Ausmaß notwendig war. Dass ich dabei die üblichen Einschränkungen hinnehmen musste, war nicht zu vermeiden. In solchen Phasen regiert die Pflicht über allem, nimmt jeglichen Raum ein und lässt keinen Platz für jene Dinge, die mir Herzensangelegenheiten sind. Vieles davon hat nur in minimaler Form Platz, manches davon gar nicht. Wie das Schreiben von Geschichten, das ich schon schmerzlich vermisste.

Nun also das Abbremsen, das viel schwieriger ist, als das Hochfahren der Leistungskraft. Die Schwierigkeit dabei liegt im richten Maß, wie es bei allen Dingen ist. Ein zu starkes Abbremsen verursacht ein körperlich-seelisches Schleudertrauma, das wiederum seine Zeit braucht, um überwunden zu werden. Ein zu schwaches Abbremsen hingegen verzögert die Rückkehr in den normalen Alltag, was die restliche Luft aus dem schon ziemlich luftlosen Dasein presst.

Es holpert also noch etwas, das Bremsen, aber zumindest ruckelt es nicht mehr, als wär ich ein Anfänger, der noch zu wenig Gefühl für Gas und Bremse hat. Mit dem holprigen Dahinhüpfen kann ich leben, es fühlt sich mitunter richtig lustig an, dieses Gehüpfe. Und ich bin mir sicher, beim nächsten Mal wird auch das Abbremsen bereits eine wesentlich angenehmere Sache sein.

Was tust du dir das an, werd ich immer wieder gefragt. Weil ich es kann und weil es meine Arbeit ist, sag ich dann banal darauf. Und weil ich es sehr mag, immer noch dazulernen zu wollen, denk ich mir.

© Lebensliebhaberin 2020-07-26

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