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Carinchens Welt: Muskuläre Wiederbelebung

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Carinchens Welt: Muskuläre Wiederbelebung | story.one

Gestern war es endlich so weit, nach drei Monaten Abstinenz wieder Sport. Es war gut, anstrengend und zufriedenstellend. Es hat sich nichts verändert, weder an den destruktiven Gedanken vor, noch an der Freude während oder an dem wunderbaren Gefühl nach dem Sport.

Seit jeher muss ich mich zum Sport aufraffen. Während ich die Trainingstasche packe, belagern tausend Gründe mein Hirn, warum es besser sei, es zu verschieben. In schlimmen Phasen beginnt mein Hirn schon morgens beim Aufstehen Gründe dafür zu finden. Ich war und werde nie ein echter Sportler sein, dazu ist meine Liebe zum Faulsein viel zu stark. Aber ich tu es, weil es mir gut tut.

Es war immer schon so, dass ab dem Moment, in dem ich die Trainingshalle betrete, Freude am Sport aufkommt. Der ganz eigene Geruch, der immer in der Luft hängt, die anderen Sportler, die sich bereits vorbereiten, die ersten Begrüßungen, die ein Stückchen Zusammengehörigkeit vermitteln, und noch während ich meine Bandagen anlege, spüre ich, wie die Unwilligkeit abfällt. Sobald das Training beginnt, ist sowieso keine Zeit mehr nachzudenken, da ist der Körper gefordert, da ist man nur noch im Jetzt.

Es war immer schon so, dass das Schönste am Sporteln das Gefühl danach ist. Wenn der Körper durchgearbeitet ist, die Muskeln müde, aber voller Leben sind. Wenn ich spüre, wie der Körper auf gute Art nacharbeitet, während ich faul auf der Couch liege.

Dass ich dadurch auch ordentlich Essen kann, ohne sofort zuzunehmen, ist ein sehr genialer Nebeneffekt. Der rational wichtige Grund für mich ist aber, dass ich dadurch bis ins hohe Alter stark und beweglich bleibe.

Immer wieder einmal lasse ich ein paar Wochen Training aus. Wenn ich mich einfach nicht aufraffen kann oder will. Dass es gleich mehrere Monate sind, passiert selten. Der Wiedereinstig ist auch nach längerer sportlicher Abstinenz normalerweise problemlos. Wobei ich konkretisieren muss - Sport beginnt bei mir ab Thaiboxen. Ich bin ja immer in Bewegung, viele lange Fußmärsche mit dem Hund, mindestens zwei x pro Woche Reiten, im Winter täglich 2 x 25 min. Fußmarsch in die Arbeit und wieder heim. Leider zählt mein Körper diese Bewegung nicht als Sport, sondern als Standard.

Gestern also der Wiedereinstieg. Der Trainer hat uns nur fünfundneunzig Prozent gefordert, um wieder reinzukommen, wie er sagte, was uns allen ein gequältes Lächeln abrang. Das Training wird nach der alten Schule der thailändischen Tradition abgehalten, dass wir auf Gummimatten trainieren dürfen ist Luxus genug, meint er. Es ist hart, aber unbeschreiblich ertragreich. Es stärkt den Körper von oben bis unten und fordert geistige Gelassenheit, mit der die Techniken präzise ausgeführt werden.

Heute das muskuläre Erwachen, kein Muskelkater im klassischen Sinne, sondern ein permanent erstauntes Wiederentdecken von Muskelpartien, die ich in den letzten Wochen nicht mehr gespürt habe. Lästig und gleichzeitig wunderbar, die Wiederbelebung meines Körpergefühls.

© Lebensliebhaberin 2020-01-11

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