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Carinchens Welt: Von Fröschen und Prinzen

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Carinchens Welt: Von Fröschen und Prinzen | story.one

Ein wunderbar lauer Sommerabend, der Sprengler taucht meinen Garten in das so notwendige Nass, ich sitze entspannt auf der Terrasse und hänge meinen Gedanken nach.

Da hüpft eine Kröte über meine nasse Terrasse, durch den Sprühregen der Bewässerungsanlage tapst das Getier frisch und froh auf mich zu. Als das Krötentier mich entdeckt, bleibt es wie angewurzelt stehen und glotzt mich an. Ich glotze zurück und so verbringen wir einige Atemzüge lang in gegenseitigem Anstarren.

Wie ging noch gleich die Mär, frag ich mich, ach ja, ein nerviger Frosch, der endlich einem Mädchen begegnete, das engelsgleich sein ständiges Rummäkeln ertrug und ihn durch einen Kuss voll tiefster Liebe aus seinem Fluch befreite. Und so lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende.

Krötentier und ich starren uns immer noch an, nach dem Motto, wer sich als erstes bewegt ist tot.

Meine Gedanken tänzeln durch meine innere Bildlandschaft (ja, ich denke in Bildern, geniale Sache). Beim rückwertigen Betrachten meines kargen Liebeslebens fällt mir schlagartig auf, was sich da immer und immer wieder wiederholt, einer Endlosschleife gleich.

Ich lernen einen Prinzen kennen, der sich förmlich überschlägt vor Begeisterung über mich (ach, was bin ich nicht begabt und besonders und aussergewöhnlich und wirklich liebenswert - als hätten all die Prinzen dieser Welt dasselbe Handbuch gelesen). Mit jedem Kuss wird meine Liebe zum Prinzen tiefer, die seine dafür wackeliger. Liebprinz beginnt zuerst auszuweichen (ich könnte bereits ein Lexikon über 'Gründe, warum etwas nicht geht im Leben' schreiben) und dann rumzumäkeln (da bin ich zu viel, da bin ich zu intensiv, überhaupt bin ich viel zu schnell und am Ende bin ich diejenige, die blauäugig durch´s Leben geht, weil so einfach, wie ich das Leben sehe, ist es niemals!). Und schwups, ist aus dem Prinzen ein nerviger Frosch geworden, der nimmt, was er braucht, für alles Erklärungen, statt Gründe findet und sich sonst aus der Affäre zieht.

Immer noch glotzt es mich an, das Krötentier, als würd es meine Gedanken lesen können. Was sagst du dazu, frag ich es stumm, ohne Antwort zu erhalten. Plötzlich dreht es sich weg, beendet damit unsere nonverbale Unterhaltung und hüpf frisch und froh weiter im Sprühregen der Bewässerungsanlage, dem nassen Grün entgegen.

Nachdenklich seh ich ihm nach, werfe ihm noch ein stummes 'Hab Dank' hinterher, dafür, dass es mich zu solchen tiefsinnigen Gedanken angeregt hat.

Und was ist jetzt die Moral aus dieser G'schicht? Frösche, ähem Kröten küss ich nicht, ich tausch stumme Gedanken mit ihnen aus und bedankt mich danach artig für den Input. Und ich geh künftig den Prinzen dieser Welt aus dem Weg, weil gegen den Fluch, die Verwandlung vom faserschmeichelweichen Verehrer zum mäkelnden Frosch komm ich nicht an.

© Lebensliebhaberin 2019-07-24

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