Das bereichernde Wesen der Worte

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Das bereichernde Wesen der Worte | story.one

Ein Wort ist mehr als nur das Aneinanderreihen von Buchstaben. Es hat Inhalt, beschreibt, konkretisiert, umreißt. Es hat Auswirkung, bereichert, verstört, erhellt, verdüstert, tröstet, provoziert. Jeder Mensch sollte grundsätzlich lernen mit Worten umzugehen, um sich ausdrücken zu können, sich Gehör zu verschaffen, sich eine eigene Meinung zu den Dingen bilden zu können.

Nach einer absolvierten Pflichtschulzeit sollte jeder Mensch fähig ist, einen ordentlichen Satz bilden zu können. Schon Kinder sollten lernen, dass sich Amtssprache und Dialekte nicht ausschließen. Es sind vielmehr verschiedene, sich durchaus gegenseitig bereichernde Wege sich auszudrücken.

Ein Kind, das lernt, seine Bedürfnisse klar zu artikulieren, wird zu einem Jugendlichen, der fähig ist, kritisch zu hinterfragen und sich selbst eine umfassende Meinung zu bilden. Der daraus erwachsende junge Mensch hat damit ein grundsätzliches Werkzeug in der Hand, das ihm erlaubt selbst zu entscheiden, wie er sein Leben sieht und gestaltet. Ein auf diese Weise reifender Mensch hat somit immer die Wahl das Leben und die vielen Situationen darin selbst zu betrachten und zu verstehen oder sich von der Masse mitschleppen zu lassen.

Jener, der gerade seinen Namen schreiben und nur mühsam lesen kann, der damit aufwächst nur in verschiedenen Dialekten und Kurzformen zu kommunizieren, bleibt immer Gefangener seines engen Geistes und der Meinungsmache Anderer.

Jenem, der die Grundzüge der Sprache erlernt hat, eröffnet sich die Chance die breite Vielfalt und Buntheit der Worte zu entdecken. Eröffnet sich dann der große Wortschatz der Sprache in all seinen Nuancen, Windungen und Feinheiten, lassen die positiven Auswirkungen einer so gestalteten Meinungsäußerung nicht lange auf sich warten. Je mehr Worte man kennt, desto konkrete kann man das, was man denkt und meint auf den Punkt bringen und desto besser wird das Gemeinte verstanden.

Es geht nicht um literarische Höchstleistungen, um schwindelerregende Wortkreationen, um Anerkennung heischende Konstruktionen, es geht darum, dass ein Mensch fähig sein sollte einen grammatikalisch richtigen, inhaltsvollen, einfachen Satz bilden zu können und sich damit selbst die Chance eröffnet, die Welt in all ihren Facetten begreifen zu können.

Kennt man einen Baum, weiß man, dass eine Anhäufung von Bäumen ein Wald ist. Kennt man verschiedene Bäume und weiß man darüber hinaus über die Eigenschaften der einzelnen Baumarten, ist man fähig die Funktion des Waldes zu verstehen. Das Erkannte befähigt in weiterer Folge den richtigen Umgang mit dem Wald und löst darüber hinaus ganz von selbst weitere, tiefere Gedanken dazu aus. Nicht jeder muss Waldspezialist werden, aber jeder sollte zumindest erkennen können, dass es verschiedene Arten und Eigenschaften von Bäumen gibt.

Worte erwachen zum Leben, sobald man gelernt hat, mit ihnen umzugehen. Dadurch bereichern sie das eigene Leben und die Welt.

© Lebensliebhaberin