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Der letzte Tag des Jahres 2019

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Der letzte Tag des Jahres 2019 | story.one

Die Sonne strahlt vom Himmel, streichelt mit ihrer Wärme die sonnenhungrige Seele und würde es einem im Schatten nicht die Nasenspitze abfrieren, könnte man denken, es sei Frühling.

Noch herrscht hektisches Treiben auf den Straßen, die letzten Einkäufe werden gemacht. Es gilt zu überschauen, ob auch wirklich alles für einen gelingenden Abend fröhlicher Feierlichkeit bedacht wurde. Je perfekter die Vorbereitungen, desto entspannter können die Gastgeber großzügig durch einen Abend führen, der keine Wehmut über das, was vergangen ist, aufkommen lässt, sondern der Lust macht auf das, was kommen mag.

Bald wird es ruhig werden auf den Straßen, wenn die Menschen sich eine kurze Rast gönnen, um sich auf den krönenden Abschluss dieses Jahres, die Neujahrsfeier, vorzubereiten.

Aber nicht überall wird gefeiert. In manchen Familien wiegen Sorgen schwerer als Gedanken ans Feiern. Da bleibt es still, trübsinnig, und der Schritt ins neue Jahr ist unverändert sorgenschwer. In manchem Heim ist es die Einsamkeit, die diktatorisch den Ton angibt, kaum eine Chance lässt sich vom bunten Treiben anstecken zu lassen, weil da dieses hemmende Gefühl des Nicht-Dazugehörens, des Niemanden-Habens ist. Und manch einer entscheidet sich ganz bewusst dafür, diesem letzten Tag des Jahres keinen besonderen Stellenwert zu geben, ihn als einen Tag von vielen, am Ende des Jahreszyklus stehend, zu werten.

In manchem Zuhause werden noch alte Rituale abgehalten. Da marschiert die gesamte Familie mit einem Weihrauchkessel durch das Daheim, allen voran das Familienoberhaupt, das den Weihrauchkessel schwingt, dahinter die Familienmitglieder, die beten oder einfach nur darum bitten, dass das Alte ausziehen und gutes, neues Einziehen möge. Es wird auch darauf geschaut, dass alles sauber ist, dass die Wäsche gewaschen, alles geputzt und aufgeräumt ist, um ohne Altlasten ins neue Jahr überzugehen.

Mühselig wird dann das warten auf Mitternacht, auf das Läuten der Glocken, die das alte Jahr endgültig besiegeln. Möge das bunte Treiben der Feierwilligen noch so sehr darüber hinwegtäuschen wollen, so ist es doch nichts anderes als die feucht-fröhliche Art Zeit totzuschlagen.

Wenn dann um Mitternacht die Glocken das neue Jahr einläuten, überall der Donauwalzer erklingt und sich die Menschen im Walzertakt oder auch nur in den Armen liegend ins neue Jahr begeben, dann ist es geschafft. Dann beginnen neue 365 Tage voller hoffnungsvoller Vorhaben, die auf Umsetzung warten.

Für manchen ist das Glockengeläute aber auch nur lästig, weil es aus dem Schlaf reißt, und was das Glockengeläute nicht schafft, schaffen spätestens die knallbunten Feuerwerke, die an jeder Ecke losgehen und den leidenschaftlichsten Tiefschläfer gnadenlos aus seinen Träumen reißt.

Aber, wer weiß, vielleicht erlebt es die Welt heuer das erste Mal, dass weniger geknallt wird. Die Frühschläfer, Feiermuffel, Umweltbewussten und vor allem die Tiere wären sehr dankbar.

© Lebensliebhaberin 2019-12-31

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